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David Fincher: "Zodiac" (stern)

Kein Wunder, dass Leseförderung nicht funktioniert. Was sind das auch für Maßnahmen? Mal liest Außenminister Steinmeier in einer Weddinger Kita die Geschichte von der – aua! – Zahnfee vor. Mal begrüßt Bundeskanzlerin Merkel 60 „liebe Bücherwürmer“ in der Skylobby ihres Bundeskanzleramtes, um ihnen „Emil und die Detektive“ vorzugähnen. Demotivierender wäre nur noch Brigitte Zypries, die ihre Lieblingsparagraphen aus dem Urheberrecht vorträgt.

Es ist an der Zeit, einen ganz anderen Ton anzuschlagen. Serienmörder zum Beispiel. Ganz hervorragende Lesetrainer. Nehmen wir den "Zodiac". Ein hochintelligenter No-Bullshit-Bursche. Genau das richtige Kaliber für Leseförderung. Der "Zodiac" mordet nicht einfach blindlings vor sich hin. Er hinterlässt am Tatort chiffrierte Botschaften. Er gibt ganzen Landstrichen blutige Rätsel auf. Der Mann will entschlüsselt werden. Von seinen Verfolgern wird nur eines gefordert: Lesekompetenz. Wer die Mordserie nicht richtig entziffert, könnte das nächste Opfer sein. Das nennt man Leseförderung.

Die Geschichte über den "Zodiac-Killer" erschien im "stern" und findet sich auch unter folgender Internetadresse:

"Zodiac": Amerikas unheimlichster Killer (stern.de)

Adam Fawer: "Null" (SZ)

Im Labyrinth der Albernheiten

Adam Fawers stochastischer Thriller "Null" (SZ, 05.12.05)

Wahnsinn. Der Spieler, Statistik-Dozent und Kopfrechengenius David Caine ist ein stochastischer Supermann. Noch während die Würfel fallen, könnte er mühelos die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der sie vom Spieltisch rollen, direkt unter die selbsthäutenden Python-Pumps der sexy Kellnerin, die daraufhin ins Stolpern gerät, wobei ihr das Tablett aus den Händen segelt, genau zwischen die frisch gerichteten Zähne eines schlummernden Pekinesen, der von dem Schreck derart traumatisiert wird, daß er eine halbe Stunde später auf dem Broadway der Geliebten des UN-Generalsekretärs in die selbsthäutenden Python-Pumps beißt, woraufhin illico 15.000 Blauhelmsoldaten nach Peking entsendet werden. Oder so.

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Emmanuel Carrère: "Amok" (FAZ)

Chronik eines fünffachen Mordes

Emmanuel Carrères rekonstruiert ein Verbrechen: "Amok" (FAZ, 07.01.02)

In den frühen Morgenstunden des 9. Januar 1993 erschießt Jean-Claude Romand seine Frau Florence im gemeinsamen Schlafzimmer. Danach bereitet er seinen Kindern Antoine und Caroline ihr Frühstück aus Schokopops und Milch zu, schaut mit ihnen ein Leihvideo - die drei kleinen Schweinchen und der böse Wolf - führt sie dann unter dem Vorwand, Fiber messen zu müssen, hintereinander ins Kinderzimmer, legt sie in ihren Betten auf den Bauch und erschießt sie. Anschließend fährt er zu seinen Eltern in das Nachbardorf, ißt mit ihnen zu Mittag und schießt seinem Vater in den Rücken. Seine Mutter erschießt er von Angesicht zu Angesicht.

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Juli Zeh: "Adler und Engel" (FR)

Im Rahmen des Lehrplans

Juli Zehs staatlich geprüftes Roman-Debüt "Adler und Engel" (FR, 08.09.01)

Maximum Max, Max the Maximal, ist aufstrebender Jurist mit Kernkompetenz im undurchsichtigen Fachgebiet der Osterweiterung. Eines Tages unterbricht seine Freundin Jessie seinen 12-Stunden-Tag mit einem Anruf, es tut einen Knall im Hörer, und von da an hat Max ein Pfeifen im Ohr und ein Loch im Herzen. Jessie hat sich zum Ortstarif erschossen. Seit Jahren schon hat der Jurist sein Hirn zu maximalem Koksgenuß verdonnert. Nach Jessies Tod versinkt er nun vollends in Drogenwahn und Todessehnsucht und versucht sich das Hirn so taub zu schnupfen wie sein rechtes Ohr. Er zieht sich seine armlangen Lines auf jedem Klodeckel, darunter lauert schon der Orkus, in den er hinabzurauschen droht ohne Wiederkehr, der Deathsperado. Der Jura-Yuppie kokst sich die Hirnrinde wellig, bis sich darunter die Borkenkäfer des Wahnsinns und der Paranoia light einnisten.

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Philip Kerr: "Der zweite Engel" (FAZ)

Der gottverdammte Parietallappen

Philipp Kerrs Science-Fiction-Thriller "Der zweite Engel" (FAZ, 07.10.00)

Kaum hat das 21. Jahrhundert begonnen, läßt Philipp Kerr es auch schon wieder enden. Und wie: Das tödliche Virus P2 hat 80 Prozent aller Menschen befallen. Nur ein kompletter Blutaustausch verspricht Heilung. Gesundes Blut wird zum höchsten Gut: der Liter kostet 1,5 Millionen Dollar, zzgl. Ökosteuer. Die Privilegierten und Gesunden haben Blutbanken angelegt, aus denen sie sich in schlechten Zeiten bedienen können. In guten treiben sie einträglichen Handel mit dem roten Gold. Die Mittellosen und Infizierten leben in den miasmatisch-feuchten Matratzengruften der heruntergekommenen Vorstadt-Ghettos. Wer hier nach Einbruch der Dunkelheit zu sehr nach Rotbäckchen aussieht, wird „gevampt“.

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