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Interview: Isolde Ohlbaum (stern)

In der Antike durfte der erfolgreiche Dichter zum Bildhauer, der dann den Marmorstaub fliegen liess. Heute darf der Lorbeerbekränzte zu Isolde Ohlbaum. Die erfolgreichste Autorenfotografin Deutschlands hat unser Bild der Literatur geprägt. Es ist ist ein ziemlich marmornes Bild. Autorenbilder von Isolde Ohlbaum gehören zum deutschen Literaturbetrieb wie Pinot Grigio, Preisverleihungen in Stadtsparkassen-Foyers und öffentliche Lesungen in Bahnhofsbuchhandlungen.

Man darf vermuten, dass Isolde Ohlbaums Autorenporträts einer der Gründe waren, warum sich Benjamin von Stuckrad Barre und Christian Kracht in den Hochzeiten der deutschen Pop-Literatur für eine Werbekampagne ablichten liessen. Sie haben viel Spott dafür geerntet. Aber ist es nicht viel lächerlicher, in irgendeinem Rosengarten eines Provinzschreiberanwesens für Isolde Ohlbaum sein weihevollstes Sonntagsgesicht aufzusetzen?

Isolde Ohlbaum: "Es gibt viel zu viele Autoren" (stern.de)

Dagmar Leupold: "Alphabet zu Fuß. Essays zur Literatur" (SZ)

Der Tag, als Eva Schuster anrief

Dagmar Leupold verwurstet, was von der Tagung übrigblieb: Alphabet zu Fuß. Essays zur Literatur (SZ, 18.05.06)

„Es war in diesem Literaturhaus“, nein, „es war bei einer Lesung“, ach was, war es nicht „bei einem Seminar für (zukünftige) Romanautoren“, halt, ich glaube, es war doch eher „auf einer Reise nach Darmstadt zum Deutschen Literaturfonds“, nein, stimmt ja gar nicht, jetzt hab’ ich’s, es war der Tag, „als mich Eva Schuster vom Kulturreferat anrief.“ Deutschland, deine Evas, deine Kulturreferate, Literaturhäuser, Autorenseminare und Dichterfonds! Darmstadt, endlich Darmstadt...

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Paulo Coelho in Berlin (SZ)

Eso-Schlumpf auf Blauem Sofa

Paulo Coelho nimmt in Berlin den DirectGroup International Author Award entegen (SZ, 19.12.05)

Es knistert die Eßkastanie, es brutzelt die Boulette. Unter den Linden flackert und flirrt, qualmt und raucht es. Bis hinauf zum Kronprinzenpalais branden die Weihnachtsmarktbuden mit ihren indianischen Traumfängern, Wellness-Nackensteaks und Maya-Fetischen. Jahrmarktgetöse wogt durch die Beine des Reiterstandbildes vom alten Fritz. Fast bis hoch zur violett leuchtenden Hausnummer eins haben fliegende Händler für Nikolausmützen den Prachtboulevard infiltriert. Aber eben nur fast, denn Unter den Linden 1 ist die feinste Adresse der Republik und nicht Verkaufsfläche für Nikolausmützen. Hier residiert nicht der Kronprinz, hier herrscht der König des Spektakels. Hier hat die Bertelsmann AG ihre Repräsentanz hinter den Attrappenfassaden der rekonstruierten Kommandantur eingerichtet.

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Literaturpreise nein danke! (SZ)

Eine Polemik

Literaturpreise, das versteht sich von selbst, sind lächerlich. Stipendien ebenso. Hätte Heinrich Heine den Förderpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung entgegen genommen? Borges den Bremer Literaturpreis? Hätte Nabokov in Klagenfurt gelesen? Hätte sich Gerhart Hauptmann ins Esslinger Bahnwärterhäuschen zurückgezogen, um seinen Thiel zu schreiben? Hätte sich Rimbaud für drei Monate mit zehn weiteren Dichtern in der internationalen Künstlerkolonie Schloß Wiepersdorf einquartieren lassen? Eben.

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