Skip to content

Julian Assange: Der Held der Cyberpunks

Größenwahnsinniger Soziopath! Herrschsüchtiger Egozentriker! Frauenhungriger Monoman mit Allmachtsphantasien! Das ungefähr ist die Diagnose, die man dem Wikileaks-Gründer Julian Asssange aus der Ferne angedeihen lässt, seit er geheime diplomatische Dokumente der USA veröffentlichen ließ. Vielleicht stimmt diese Küchenpsychologie, mit der sich die etablierten Medien an Assange abarbeiten, als wollten sie Rache dafür üben, dass er ihnen mit seiner Enthüllungsplattform den Schneid abgekauft hat. Vielleicht ist sie aber einfach auch nur grober Unsinn.

Eines jedenfalls sicher: Es ist vollkommen zweitrangig, was für ein Bursche Assange ist. Es sollte uns um die Idee gehen, die er mit Wikileaks verfolgt. Die Idee von absoluter Transparenz in Politik und Wirtschaft. Wer hier ein Geheimnis kennt, darf es auf Wikileaks verraten. Denn Geheimnisse sind der Feind einer offenen Gesellschaft. Eine einfache und eine gute Idee. Wohlgemerkt: Es ging Julian Assange niemals um die Verletzung der persönlichen Privatsphäre. Diese Idee wäre eine schlechte Idee. Aber schließlich hat Assange Wikileaks gegründet, nicht die „Bunte“ oder „BILD“.

"Julian Assange: Der Held der Cyberpunks" vollständig lesen

Cory Doctorow: Der Daniel Düsentrieb des Digitalzeitalters

Das iPad hält er für eine Totgeburt und Raubkopien versteht er als legitime Steuer auf Ruhm. Der kanadische Internet-Guru Cory Doctorow ist einer der einflussreichsten Blogger der Welt. Er nutzt konsequent die Gesetze des Netzes, um Geld zu verdienen.

Porträt des Web-Gurus Cory Doctorow (stern.de)

William Gibbson: Hausbesuch beim Erfinder des Cyberpunk (stern)

Vancouver (Foto: Maus)

Den amerikanischen Schriftsteller William Gibbson besuchte ich in seiner Wahlheimat Vancouver. Ich übernachtete in einem Hotel in dem gigantischen Kongress-Center an der Waterfront in Downtown. Das futuristische Gebäude stand auf den alten Piers B und C. Es war 1986 für die Weltausstellung in Form eines riesigen Schiffes mit einer segelförmigen Dachkonstruktion erbaut worden.

Am Morgen vor dem Interview-Termin trieb mich der Jet Lag um halb sieben aus dem Bett. Ich fuhr mit dem Aufzug hinab und ging noch vor dem Frühstück an der Waterfront spazieren. Die Kulisse war überwältigend. Ruhig lag das Burrard Inlet vor mir. Tuckernd löste sich ein Wasserflugzeug von einer schwimmenden Tankstelle, startete und verschwand hinter dem Hausberg Mount Seymour. Nordwestlich lag Stanley Park mit seinen riesigen alten Bäumen und seinen bunten Totempfählen. Am Tag zuvor war ich dort durch das Dickicht ineinander verkanteter, vermodernder Stämme gestrauchelt.

"William Gibbson: Hausbesuch beim Erfinder des Cyberpunk (stern)" vollständig lesen

Alban Nikolai Herbst: "Buenos Aires. Anderswelt"

Das Oktopus-Opus

Alban Nikolai Herbsts kybernetischer Roman "Buenos Aires. Anderswelt" (NZZ, 01.11.01)

Der Ex-Broker Hans Erich Deters sitzt im Café „Silberstein“ in Berlin Mitte und wartet auf eine Frau. In dem real existierenden Szene-Laden gibt es experimentell zusammengeschweisste Sitzgelegenheiten, einen importierten Sushi-Koch und einen imaginierten Zugang zu einer phantastischen Gegenwelt: Alban Nikolai Herbsts „Anderswelt.“ Die Schnittstelle zu dieser Parallelwelt hat Deters absorbiert, zellularmagnetisch angesaugt oder aus der Realität katapultiert, die genaue technische Prozedur ist etwas verwirrend. Nun beginnt eine Odyssee durch das Wunderland jenseits des Sushi-Tresens.

"Alban Nikolai Herbst: "Buenos Aires. Anderswelt"" vollständig lesen

Tobias O. Meissner: "Neverwake" (NZZ)

Das Wunderland hinter dem Flachbildschirm

Tobias O. Meissners Virtuality-Fiction "Neverwake" (NZZ, 03.05.01)

Der Berliner Autor Tobias O. Meissner verfolgt eine verwirrende Publikationsstrategie. Im Herbst 2000 veröffentlichte er mit seinem Roman „Todestag“ ein Werk, dessen Programm die Repolitisierung des Erzählens war und den Lesern vom Verlag als Renaissance der engagierten Literatur angeboten wurde. Pünktlich zum mythischen Kubrick-Jahr 2001 erscheint nun mit dem Roman „Neverwake“ eine Genre-Fantasie über digitale, eskapistische Jugendkulturen, die spielerisch den Cyberspace kartographiert. In „Todestag“ wird ein fiktives Attentat auf den Bundeskanzler verhandelt. In „Neverwake“ lassen minderjährige Helden die Schutzschilder feindlicher Raumschiffe unter dem Dauerfeuer ihrer Laser-Kanonen zerschmelzen und ziehen in wendigen Raumgleitern elegante Bahnen durch simulierte Welten. Meissner tritt durch den Flachbildschirm ins Wunderland. Nach Littérature engagée nun also Cyberpunk. Ein solch gegensätzliches Programm ist zumindest ungelesen in der jüngeren deutschen Literatur.

"Tobias O. Meissner: "Neverwake" (NZZ)" vollständig lesen