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JEFF BEZOS / STEPHAN MAUS: „DER BRIEFWECHSEL“ (2)

Hamburg, 10.08.2012

Sehr geehrter Herr Bezos,

Ihre Nachricht, meinen jüngsten Roman „Die reinen Herzen“ in Ihr Haus zu übernehmen, hat mich über die Maßen gefreut. Die Ehre für mein Manuskript, die ihm geschieht, indem es bei Ihnen erscheint, freut mich so, dass das Ereignis mir noch jetzt nicht geheuer ist. Denn auch wir in Deutschland wissen, wie unerbittlich die Lektoratskonferenzen in Seattle sein können.

Es gehen sogar Gerüchte, Rainald Goetz sei mit seinem Werk „Johann Holtrop“ von dieser Runde abgewiesen worden. Nur zu verständlich, wenn Sie mich fragen. Seine Haltung zur globalen Warenwirtschaft ist doch sehr antiquiert. Ja, mir scheint, Autoren seines Schlages wollen nicht wahrhaben, dass auch die Führung gerade international agierender Unternehmen eine kreative, vielleicht sogar künstlerische Komponente hat.

Zu einem persönlichen Gespräch über stilistische Eigenheiten meines Romans bei einem Glas Coke Zero bin ich gern bereit. Der Zufall führt mich vom 01.09. - 04.09. nach Seattle. Bitte lassen Sie mich wissen, ob der genannte Zeitpunkt Ihnen recht ist.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Stephan Maus

JEFF BEZOS / STEPHAN MAUS: „DER BRIEFWECHSEL“ (1)

Seattle, 01.08.2012

Sehr geehrter Herr Maus,

ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir nach genauer Lektüre Ihres Manuskriptes uns entschieden haben, Ihren Roman „Die reinen Herzen“ in unser Haus zu übernehmen. Ich glaube, dass sich Ihre Arbeit neben der von Amanda Hocking und E.L. James gut ausnehmen und die Perspektiven dieser Autoren weiterführen wird.

Nun scheint mir freilich ein Gespräch über Einzelheiten erforderlich zu sein. In Ihrem Manuskript finden sich doch noch einige umständliche Formulierungen und sprachliche Eigenheiten. Auffällig zum Beispiel ist eine recht unübliche Häufung von Komposita. Allein im ersten Kapitel lese ich: „Titten-Kalender“, „Kachelmann-Wetter-Stationen“, „Kreuzworträtsel-Tapeten“, „Zierfisch-Aquarien“, „Schäferhund-Stickbilder“.

Man hat doch sehr das Gefühl, in Ihrem Text kommen in toto mehr Bindestriche als Kommata vor. Hier und da sollte also durchaus noch gefeilt werden. Am besten geschähe dies in einem persönlichen Gespräch. Führt Sie Ihr Weg ohnehin einmal nach Seattle?

Ich freue mich, dass ich Ihnen all dies mitteilen kann. Ich sehe Ihr Manuskript gerne bei uns als Buch.

Mit freundlichen Grüßen

Jeff Bezos

Roman "Die reinen Herzen" 2 Tage umsonst

Weihnachtsangebot: 1000 Seiten, 241.096 Worte, 44 mal „Sex“, 45 mal „Herz“ – mein neuer Roman "Die reinen Herzen" ab heute als E-Book bei Amazon. Die Pulp-Fuge übers Porno-Business gibt’s vom 21.12.12 - 22.12.12 gratis, danach kostet's. Für Kindle, alle anderen Geräte dank „Kindle App“ oder im Web-Browser mit dem „ Kindle Cloud Reader“. Allen ein frohes Fest!

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"Die reinen Herzen", Entstehung, I: Vom SZ-Artikel zum Drehbuch-Treatment

Im Mai 2003 schickte mir der Regisseur Mennan Yapo eine E-Mail. Er hatte meine Kung-Fu-Geschichte »Reif für Meister Lee« (SZ, 24.05.2003) gelesen und dachte, ich sei der richtige Mann für sein nächstes Drehbuch. Mennan war gerade dabei, seinen Thriller »Lautlos« (mit Joachim Król, Nadja Uhl und Christian Berkel) zu schneiden.

Sofort spekulierte ich auf die Gelegenheit, das Drehbuch für den großen deutschen Kung-Fu-Thriller verfassen zu dürfen. Aber Mennan wollte Porno. Weil Porno beinahe so gut wie Kung-Fu ist, sagte ich zu. Mennan skizzierte mir, was ihm vorschwebte: Ein junger Mann wird ins Porno-Business hineingezogen und nutzt seinen wachsenden Ruhm für ein höheres Amt. In der Politik zum Beispiel. Berlin Boogie Nights.

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Der Roman "Die reinen Herzen" ist Cränk Core

Cränk Core Manifesto

• Alles ist so krank. Sei cränk.

• Faß deine Geschichte in drei Sätzen zusammen. Klingt nach Arte-Programmhinweis? Schmeiß deine Story weg. Klingt nach RTL II? Du bist nahe dran, sehr nahe dran.

• Wen interessiert die trostlose Ehe des Kassierers am Geldschalter? Folge dem Bankräuber.

• Eine Rose ist keine Rose ist keine Rose. Sondern ein zerrupftes, von beschissenen NATO- Stacheln geschütztes Chlorophyll-Endlager, das aussieht, als hätte fuckin’ Bugs Bunny sich seine Blume in Erdbeerkaugummi-Rosa gefärbt und danach vergessen, sie zu kämmen, Himmel Arsch und Zwirn.

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