Jeden Abend dasselbe: Bei dem beknackten Strömungsfilm oder Begriffen wie "Blumenkohlwolke" möchten viele am liebsten abschalten. Die einstmals informative Wettervorhersage im TV haben Kachelmann & Co. in eine alberne Extremshow verwandelt.
Di, 28. April 2009
TV-Wettershows: Nichts als heiße Luft (stern)
Di, 21. Oktober 2008
Bilanz der Frankfurter Buchmesse 2008 (stern)
Ob E-Book-Hype, Ranicki-Hymnen, Bohlen oder Bushido - auf der Frankfurter Buchmesse prallen Welten aufeinander. Bilanz aus dem Natternnest Literaturbetrieb:
Frankfurter Buchmesse 2008: Auf dem Parkett der Geschichtenmakler (stern.de)
Do, 28. Februar 2008
Hitlers Titanic: Der ZDF-Zweiteiler "Die Gustloff" (stern)
Der Untergang der "Wilhelm Gustloff" war die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten. Das ZDF hat aus dem Drama einen revisionistischen Event-Zweiteiler gemacht. Mein Kommentar über den unverbrüchlichen Trend zu Nazikostümfesten im Öffentlich Rechtlichen erschien im "stern" (Heft 10/2008) und findet sich auch unter folgender Internetadresse:
So, 16. Dezember 2007
Top Gun Stauffenberg: Courage-Bambi für Tom Cruise (stern)
Tom Cruise stellte der deutschen Vergangenheit einen internationalen Persilschein aus und bescherte uns mit seinem Film "Valkyrie" eine Imagekampagne. Als Dank dafür überreichte ihm FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher den "Courage-Bambi". Mein Kommentar über die Kraft elitärer Männerbünde erschien im "stern" (Heft 50/2007) und findet sich auch unter folgender Internetadresse:
Mo, 16. April 2007
Hommage auf AC/DC (stern)
Das intime Bekenntnis über den geheimen Soundtrack meines Lebens erschien im "stern" und findet sich auch unter folgender Internetadresse:
Do, 4. Januar 2007
David Fincher: "Zodiac" (stern)
Kein Wunder, dass Leseförderung nicht funktioniert. Was sind das auch für Maßnahmen? Mal liest Außenminister Steinmeier in einer Weddinger Kita die Geschichte von der – aua! – Zahnfee vor. Mal begrüßt Bundeskanzlerin Merkel 60 „liebe Bücherwürmer“ in der Skylobby ihres Bundeskanzleramtes, um ihnen „Emil und die Detektive“ vorzugähnen. Demotivierender wäre nur noch Brigitte Zypries, die ihre Lieblingsparagraphen aus dem Urheberrecht vorträgt.
Es ist an der Zeit, einen ganz anderen Ton anzuschlagen. Serienmörder zum Beispiel. Ganz hervorragende Lesetrainer. Nehmen wir den "Zodiac". Ein hochintelligenter No-Bullshit-Bursche. Genau das richtige Kaliber für Leseförderung. Der "Zodiac" mordet nicht einfach blindlings vor sich hin. Er hinterlässt am Tatort chiffrierte Botschaften. Er gibt ganzen Landstrichen blutige Rätsel auf. Der Mann will entschlüsselt werden. Von seinen Verfolgern wird nur eines gefordert: Lesekompetenz. Wer die Mordserie nicht richtig entziffert, könnte das nächste Opfer sein. Das nennt man Leseförderung.
Die Geschichte über den "Zodiac-Killer" erschien im "stern" und findet sich auch unter folgender Internetadresse:
Mo, 4. Dezember 2006
Perry Rhodan: Ein deutscher Held (stern)
"Perry Rhodan" wird 45. Mit einer Auflage von einer Milliarde ist er der erfolgreichste, aber auch heikelste Pulp-Astronaut der Welt. Nierentisch-Muff, Nazi-Mythen, Kolonialisierungsfantasien, Hippie-Träume und kosmische Ich-AG: In Perry Rhodans Astronautenhelm spiegelt sich der Zeitgeist. Von Hippie bis Hartz IV - an den Heftchen lässt sich Zeitgeist ablesen.
Mein Porträt dieses exemplarischen deutschen Helden erschien im "stern" (Heft 48/2006) und findet sich auch unter folgender Internetadresse:
Sa, 15. April 2006
Der Mafioso Bernardo Provenzano und seine Olivetti (SZ)
Die Schreibmaschine des Paten
Wie sich der Capo di tutti Capi Bernardo Provenzano als Autor inszenierte (SZ, 15.04.2006)
Mafiosi sind nicht nur Brutalos, sondern auch hoffnungslos pathetische Romantiker. Sie verwenden ebenso viel Konzentration auf den nächsten Territorialkrieg wie auf die sorgfältige Pflege ihrer mythischen Aura, hinter der im kollektiven Bewußtsein oftmals ihre Brutalität zu verschwinden droht. Niemand verbrämt rohe Gewalt so erfolgreich mit pittoresken Inszenierungen wie der Mafioso. Lange vor Francis Ford Coppola waren die Mafiosi ihre eigenen Regisseure, Maskenbildner und Ausstatter. Auch der soeben gefaßte oberste Mafioso Bernardo Provenzano blieb der langen Mafiatradition der mythischen Selbstinszenierung treu. Sein Mythos wird auf ewig mit einer Olivetti Lettera 32 verbunden bleiben.
"Der Mafioso Bernardo Provenzano und seine..." vollständig lesen »Mo, 20. März 2006
Christian Kracht im Dschungel von Paraguay (SZ)
Oh, wie schön ist Paraguay
Deutsche Dekadenzdandys über eine nietzeanische Dschungelutopie von 1887 (SZ, 21.03.2006)
Die Torstraße in Berlin Mitte ist noch eine der wenigen Straßen, in denen sich die hochrenovierte und kulissenhaft zurechtgespachtelte Hauptstadt von ihrer provisorischen Seite zeigt. Ein, zwei Kilometer von Angela Merkels Hauptstadtwohnung entfernt bröselt die Konkursmasse und klaffen die Improvisationsräume. Irgendwo zwischen einem leerstehenden „Cosmetic- und Nail-Art Studio“ und einem Hörgeräte-Shop leuchtet ein nackter Galeriekubus in utopischem Weiß aus der grauen Fassade heraus. Hier entsteht Kunst in inspirierender Nachbarschaft zum Sarg-Discounter.
"Christian Kracht im Dschungel von Paraguay (SZ)" vollständig lesen »Mo, 19. Dezember 2005
Paulo Coelho in Berlin (SZ)
Eso-Schlumpf auf Blauem Sofa
Paulo Coelho nimmt in Berlin den DirectGroup International Author Award entegen (SZ, 19.12.05)
Es knistert die Eßkastanie, es brutzelt die Boulette. Unter den Linden flackert und flirrt, qualmt und raucht es. Bis hinauf zum Kronprinzenpalais branden die Weihnachtsmarktbuden mit ihren indianischen Traumfängern, Wellness-Nackensteaks und Maya-Fetischen. Jahrmarktgetöse wogt durch die Beine des Reiterstandbildes vom alten Fritz. Fast bis hoch zur violett leuchtenden Hausnummer eins haben fliegende Händler für Nikolausmützen den Prachtboulevard infiltriert. Aber eben nur fast, denn Unter den Linden 1 ist die feinste Adresse der Republik und nicht Verkaufsfläche für Nikolausmützen. Hier residiert nicht der Kronprinz, hier herrscht der König des Spektakels. Hier hat die Bertelsmann AG ihre Repräsentanz hinter den Attrappenfassaden der rekonstruierten Kommandantur eingerichtet.
"Paulo Coelho in Berlin (SZ)" vollständig lesen »Di, 12. April 2005
Essai über die Open-Source-Kultur (SZ)
Veitstanz der ikonoklastischen Teufel auf dem Gerätepark
Mit Open Source Software gegen die digitale Unmündigkeit (SZ, 12.04.05)
Jetzt locken sie wieder megahertzzerreißend, die neuesten Chips. Jetzt säuseln sie wieder sirenengleich aus ihrem Gehäuse, die schnellsten Festplatten. Jetzt flüstern uns die Lüfter wieder neue Begehren ein, und die WLAN-Funkwellen verdrehen die Moleküle in unserer Hirnflüssigkeit.
"Essai über die Open-Source-Kultur (SZ)" vollständig lesen »Mi, 18. Februar 2004
Literaturpreise nein danke! (SZ)
Eine Polemik
Literaturpreise, das versteht sich von selbst, sind lächerlich. Stipendien ebenso. Hätte Heinrich Heine den Förderpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung entgegen genommen? Borges den Bremer Literaturpreis? Hätte Nabokov in Klagenfurt gelesen? Hätte sich Gerhart Hauptmann ins Esslinger Bahnwärterhäuschen zurückgezogen, um seinen Thiel zu schreiben? Hätte sich Rimbaud für drei Monate mit zehn weiteren Dichtern in der internationalen Künstlerkolonie Schloß Wiepersdorf einquartieren lassen? Eben.
"Literaturpreise nein danke! (SZ)" vollständig lesen »Mo, 20. Oktober 2003
Bericht von der 7. internationalen Erotikfachmesse "Venus" (SZ)
Shuttle-Bus von Sodom nach Gomorra
Der Funkturm auf dem Berliner Messegelände schickt Gedankenwellen in Richtung Pariser Eiffelturm. Der große Bruder ist weit weg, doch Berlin will auch mal sündig sein. Vier Tage lang. Am Rande der Stadt, zwischen Autobahndreieck, Lärmschutzmauern und Zentralem Omnibusbahnhof ballt sich der Sex. Auf dem Messegelände tagte vom 16.-19.10.03 zum siebten Mal die Venus, Deutschlands größte Erotikfachmesse. O Schaumgeborene, wer hat dich im Speckgürtel stranden lassen? O Aphrodite, denk an deinen Messeausweis.
"Bericht von der 7. internationalen..." vollständig lesen »Di, 12. August 2003
Bericht vom Chaos Communication Camp 2003 (SZ)
Pack den Datenhandschuh ein
Der Chaos Computer Club versammelt die internationale Hackerszene am See (SZ, 12.08.03)
Am Anfang war das Chaos, und das Chaos lag am GPS Target Waypoint N 52.57959 E 13.69414. Der Chaos Computer Club hatte die internationale Hackerszene in sein Chaos Communication Camp in der Nähe von Berlin geladen. Wüst und leer ist es da draußen an den siebenstelligen Target Waypoints. Plötzlich ist Berlin zu Ende, und das sonnenverbrannte Brandenburger Land liegt so flach und flirrend vor einem wie ein heiß gelaufenes Motherboard, auf dem nur hier und da einzelne Backsteinbauernhöfe liegen wie nachdenklich brütende Mikrochips. Einer davon ist der Paulshof, der in großem Stil auf Pferde setzt.
"Bericht vom Chaos Communication Camp 2003 (SZ)" vollständig lesen »Sa, 24. Mai 2003
"Matrix" und der Kung Fu-Boom (SZ)
Gott, die Knochenbrecher kommen! (SZ, 24.05.03)
Seit einigen Jahren trainiere ich Kung Fu. Als ich mich eines Morgens zu steif fühlte, um an die Computer-Kabel unter meinen Schreibtisch zu kommen, mußte Bewegung her. Das Modem war nicht richtig eingestöpselt, das Mauskabel hatte sich verheddert, und ich kam nicht mehr an die Matrix. Zu starr für die Matrix. Also Sport. Ich mag keine Trompeten, Jazz-Tanz fiel also aus. Ich wohne in der Stadt, bin ziemlich eitel und finde es unelegant, mit schmerzverzerrtem Gesicht auf fremde Passanten loszustürmen. Joggen ging also auch nicht. Außerdem bekommt man davon graue Haare, einen Dreiteiler mit Siegelring und verrät die Ideale seiner Jugend, wie Joschka Fischer beweist. Solche Nebenwirkungen sind mir zu gefährlich. Sport soll heilen, nicht noch kranker machen. Da ich als nervöser Charakter mit einem leichten Hang zur Hyperaktivität und einer kontrollierbaren, aber merklichen Schilddrüsenüberfunktion schon immer anfällig für den ruhigen Charme des Buddhismus war und gleichzeitig auch die durchtrainierten Dialoge asiatischer Action-Filme sehr zu schätzen weiß, paßte Kung Fu eigentlich ganz gut. Ich war reif für Meister Lee.
""Matrix" und der Kung Fu-Boom (SZ)" vollständig lesen »Do, 3. April 2003
Hommage auf François Rabelais anläßlich seines 450. Todestages (FR)
Vaterriese Gargantua und Sohnesriese Pantagruel sitzen an einem üppig gedeckten Frühstückstisch, der aus dreiunddreißig Hektar guten savoyischen Tannenwaldes gezimmert ist. Sie trinken Kaffee mit pasteurisierter Einhornmilch (Vollfettstufe) aus einem Trinkwasserreservoir, das Pantagruel bei seiner Eroberung von Neu Delhi vom Dach eines dachsfrechen Immobiliennabobs heruntergerissen hatte. Der Nabob war ein unziemlicher Scheißdochdrauf gewesen, dem Pantagruel unter einer Yuccapalme die Leviten gelesen hatte. Eine Vogelspinne war einziger Zeuge des Duells gewesen. Die ehrbaren Bürger Neu Delhis hatten es dem tapferen Pantagruel gedankt, sie von sämtlichen Slumtyrannen befreit zu haben, denn diese Nabobs waren ihnen eine Stadtplage gewesen.
"Hommage auf François Rabelais anläßlich..." vollständig lesen »Mi, 8. Mai 2002
Ortstermin: Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin (WDR)
Himmelfahrten
Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung 2002 (WDR, „Kritisches Tagebuch“, 07.05.02; FAZ, 08.05.02)
„Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr uns sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird so kommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ So liest sich das christliche Publikumshighlight Himmelfahrt in der Apostelgeschichte des Evangelisten Lukas. „Bis 11:00 Uhr: Ankunft der fliegenden Besucher. 12:00 – 14:00 Uhr: Eröffnungsprogramm der Aussteller mit lärmarmem Fluggerät.“ So liest sich das Phänomen Himmelfahrt 2000 Jahre später im Programm der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung 2002, die am Montag auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld eröffnet wurde.
"Ortstermin: Internationale Luft- und..." vollständig lesen »Fr, 22. Februar 2002
Ortstermin: Reinhold Messner bei Karstadt (WDR)
Mit der U8 an die Achttausender
Reinhold Messner bei Karstadt in Berlin, Neukölln (FAZ, 23.02.02; WDR, „Kritisches Tagebuch“, 22.02.02)
Mit Reinhold Messner kamen die Kälte und der Sturm nach Berlin. Temperaturen um den Gefrierpunkt, eine sternenklare Nacht mit heller Mondsichel: Die idealen Bedingungen für einen Nachtaufstieg in den Himalaja. An diesem Donnerstag führt die U 8 auf die Achttausender. Über die schnelle Nord-Süd-Route, von Wittenau gen Hermannplatz, ohne Schienenersatzverkehr.
"Ortstermin: Reinhold Messner bei Karstadt (WDR)" vollständig lesen »Do, 1. Juli 1999
DJ Westbam bei Alfred Biolek (Titanic)
Tekkno-cooking (TITANIC, 07/1999)
Biolek: Westbam, meine Damen und Herren! Ein ungewöhnlicher Name für einen ungewöhnlichen Menschen. Ein Künstlername, wie ich vermute, Herr Westbam?
WESTBAM: Künstlername, genau. Wie Biolek. Westlek, Biobam, Bambi, Lekbam, Bambissimo, Westfred Biobam: alles Künstlernamen.
Biolek: Ich heiße wirklich Biolek!
WESTBAM: Ah. Sorry. Cool. Cooler Name, Biolek. Echt cool. Kickt x-trem! Kommt so, ja, cool einfach. Ehrlich. Und der Alfred ist auch echt?
Biolek: Ja, ja, auch echt. (feierlich) Mein Name ist Biolek, Alfred Biolek.
WESTBAM: With a licence to cook! Cool: Alfred. Nee, is' echt geil. Alfred Biolek. DJ Alf!
Biolek: Ja, gut. DJ Alf. Das können wir vielleicht erst mal so stehen lassen. - Herr Westbam, gestern Islamabad, morgen Beirut: Sie sind ein Mann, der Freude verbreitet, gute Stimmung und Partylaune überall. Beschreiben Sie doch mal kurz Ihre Arbeit.
WESTBAM: Ich lege Schallplatten auf und manipuliere sie.
Mi, 2. Juni 1999
200 Jahre Balzac (Hessischer Rundfunk)
Eine Würdigung (Hessischer Rundfunk, 02.06.99)
Im 19. Jahrhundert erobern die Emporkömmlinge aus der Provinz Paris wie eine Festung, ihren Hirnschwamm getränkt mit Ehrgeiz, Willen zur Macht, Lebenshunger, Vergnügungs- und Ruhmessucht. Die von ihnen anvisierten Frauen leben hauptberuflich in Boudoirs oder Salons, sind nebenberuflich auf Diwane, Causeusen oder Ottomanen gefläzte Mätressen, beziehen Grundrenten aus ihren Anwesen in der Provinz und sponsern junge Literaten.
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