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Interview mit Kabarettist Serdar Somuncu: "Erdogan tut alles dafür, im Knast zu landen" (stern)

Herr Somuncu, erklären Sie uns Recep Tayyip Erdogan.

Beginnen wir mit einer Allegorie. Ich mähe gleich Rasen.

Elektrischer Sitzrasenmäher?

Nein, Benzin-Motor. Es muss laut sein und stinken.

Öl, Benzin, Krach: Das muss das proletarische Erbe des Gastarbeiterkindes sein.

Ich liebe Rasenmähen. Bin ich da nicht urdeutsch? Mein größter Feind ist der Maulwurf. Der Maulwurf symbolisiert Erdogan. Er gräbt sich von unten in den deutschen Rasen. Der Rasen ist die Demokratie. Die gewachsene Demokratie. Und er baut sich so einen Gang unter dem Rasen. Zwischendurch kommt er raus, weil er keine Luft mehr bekommt. Ist aber so ein Schisser, dass er sich sofort wieder versteckt.

Ist Erdogan verrückter Diktator oder kluger Stratege?

Erdogan denkt nicht, dass er Diktator ist. Er denkt, er kämpft gegen eine unsichtbare Staatsmacht. Er ist Revolutionär. Er denkt, er sei gerade aus dem Knast rausgekommen und müsste verhindern, wieder reinzukommen. Aber er tut letztendlich alles dafür, dass er irgendwann wieder dort landet. Auch Erdogans Außenpolitik ist so. Er legt sich an mit Putin, er legt sich an mit den Amerikanern, er legt sich an mit Europa. Und in dem Moment, da er merkt, dass er zu weit gegangen ist, zieht er sich zurück und wartet ab.

Welchen Plan verfolgt Erdogan?

Er befürchtet, dass das Referendum zu seinen Ungunsten ausgeht und er die Macht verliert. Er befürchtet, dass die Eliten in der Türkei aufständisch werden. Das würde einen Bürgerkrieg bedeuten. Deswegen aktiviert er seine stärkste Bürgerwehr außerhalb der Türkei, nämlich die in Deutschland und Europa lebenden Türken, um sie auf seine Seite zu ziehen. Dabei riskiert er einen Bürgerkrieg in Deutschland.

Sie übertreiben.

Stellen Sie sich vor, es stirbt nur ein Türke in Deutschland, ein AKP-Anhänger oder ein Nicht-AKP-Anhänger in einem innertürkischen Zwist. Wir hätten in einer Woche Krieg. Erdogan geht ans Limit. Er provoziert, dass die Situation eskaliert.

Vollständiges Gespräch auf stern.de

"Verräter töten wir" - Interview mit einem Massenmörder

Heute beginnt in Paris der dritte Prozess gegen den einstigen Top-Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, genannt „Carlos“. Anklage: Handgranaten-Attacke in einem Pariser Luxuskaufhaus am 15.09.1974. Opfer: 2 Tote, 34 Verletzte.

Vor Gericht sagte Carlos: „Ich bekenne mich zu allen Verletzten und Toten. Ich bin ein Held des palästinensischen Widerstands, und ich bin der einzige Überlebende seiner europäischen Führungskräfte, denn ich habe immer schneller geschossen.“

Hier ein Interview, das ich 2010 mit Carlos geführt habe (stern.de)

Ferdinand von Schirach im Gespräch: "Das Dunkle ist in uns allen"

Herr von Schirach, in Ihrem Theaterstück "Terror" kapert ein Terrorist eine Lufthansa-Maschine und steuert sie auf die voll besetzte Allianz Arena. Ein Kampfpilot widerspricht den Befehlen seiner Vorgesetzten und schießt die Passagiermaschine eigenmächtig ab. Der Pilot kommt vor Gericht. Am Ende des Stückes lassen Sie den Zuschauer über das Urteil abstimmen. So wird das auch in der Fernsehadaption des Stückes sein. Wie ist Ihr Urteil?

Es geht nicht um mich, es geht um die Zuschauer. Das Stück ist offen, wir stehen vor einem moralischen Dilemma. Vieles spricht für einen Freispruch. Der Pilot trägt eine ungeheure Last, er ist kein Krimineller, sondern will das Richtige tun. Trotzdem würde ich ihn verurteilen.

Muss er nicht 164 Menschen opfern, um 75.000 zu retten?

Das genau ist die Frage. Können wir zulassen, dass der Staat Leben gegen Leben aufwiegt? Verraten wir damit nicht, was uns ausmacht?

Was verrät derjenige, der wenige Menschen tötet, um viele zu schützen?

Unsere Verfassung beginnt mit dem Satz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Jeder Mensch ist unendlich wertvoll. Es gibt keine Abwägung. Das sind die Prinzipien, nach denen wir leben.

Vollständiges Gespräch auf stern.de

"stern": Jahrelang missbrauchte Klaus Kinski seine älteste Tochter Pola

Pola Kinski, älteste Tochter des 1991 verstorbenen deutschen Schauspielers Klaus Kinski, erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Vater. In der neuen, am Donnerstag, den 10.01.2013 erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins „stern“ sagt sie, ihr Vater habe sie vom 5. bis zum 19. Lebensjahr sexuell missbraucht. „Er hat sich über alles hinweggesetzt. Auch darüber, dass ich mich oft gewehrt habe und gesagt habe: ‚Ich will nicht.’ Das war ihm egal. Er hat sich einfach genommen, was er wollte“, so Kinski im exklusiven „stern“-Gespräch.

Kinski sagte, sie habe ihre ganze Kindheit über mit einem permanenten Gefühl von Angst vor den Ausbrüchen ihres Vaters gelebt. Als Schauspieler habe sie ihren Vater niemals sehen können: „Wenn ich ihn in Filmen gesehen habe, fand ich immer, dass er genauso ist wie zu Hause“, sagte Kinski, die sehr früh große Erfolge als Theaterschauspielerin feierte, sich aber bald schon aus dem Beruf zurückzog. Ihr Urteil über den Vater: „Missbraucht hat er eigentlich alle Menschen. Er hat andere Menschen nie respektiert.“

Pola Kinski hat über ihre zerstörte Kindheit und Jugend ein Buch geschrieben, das in Kürze erscheint („Kindermund“, Suhrkamp). Kinski sagte dem „stern“, sie habe diese Autobiografie auch geschrieben, um sich gegen die allgegenwärtige Kinski-Vergötterung zu wenden. „Ich konnte es nicht mehr hören: „Dein Vater! Toll! Genie! Ich habe ihn immer gern gemocht!’ Seit er tot ist, wird diese Vergötterung immer schlimmer“, sagte Kinski.

Lesen Sie mein Gespräch mit Pola Kinski im "stern" vom 10.01.2013 (Heft 3/2013).

"Michel Houellebecq ist ein gottverdammter Motherfucker!" - Iggy Pop im Interview (stern)

"Iggy Pop ruft Sie unter Ihrer Büronummer an", mailte der Mann von der Plattenfirma. Und dann diese Stimme: "Hi Stephan, this is Iggy. How are you?" Der Anruf meines Lebens. Gedruckt im "stern" (Heft 22/ 2009) oder unter folgender Internetadresse:

Interview mit Iggy Pop (stern.de)

Roberto Saviano zu Gast bei der Stockholmer Literaturnobelpreis-Jury (stern)

"Mein Killer wird eher sterben als ich"

St.Georg und der Drache in Gamla Stan, Stockholm (Foto: Maus)

Nachdem ich den von der Camorra bedrohten Schriftsteller Roberto Saviano schon im Sommer 2008 in Neapel getroffen hatte (Portrait siehe hier), um mit ihm über sein Leben auf der Flucht zu sprechen, traf ich ihn im Winter desselben Jahres noch einmal in Stockholm.

Für den untergetauchten Saviano wurde es immer enger in seiner Heimat. Während eines Camorra-Prozesses waren konkrete Mordpläne gegen ihn aufgeflogen. Die Camorra bereitete ein Sprengstoffattentat auf seine gepanzerten Wagen vor, die ich im Sommer in den Gassen der neapolitanischen Altstadt gesehen hatte.

Aus Solidarität hatte ihn die Literaturnobelpreis-Jury nach Stockholm eingeladen. In der italienischen Presse hiess es, der Autor sei verzweifelt und wolle Italien endgültig verlassen. Doch in Stockholm traf ich auf einen kämpferischen Saviano.

Unser Gespräch erschien im "stern" (Heft 50/2008) und findet sich auch unter folgender Internetadresse:

Interview mit Roberto Saviano (stern)