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Heimatkunde

Was passiert eigentlich, wenn ein Land plötzlich gar keine Grenzen mehr hat? Nun, es entsteht ein neues Land. Bayern zum Beispiel.

Nach dem Abzug der römischen Grenzsöldner und der romanischen Bevölkerung aus dem Alpen- und Voralpenraum entstand ein Siedlungsvakuum auf dem Gebiet des heutigen Oberösterreich.

Hier siedelten sich die unerschiedlichsten Stämme an: ostgermanisch-gotische Clans, vagabundierende Elbgermanen, westlich-merowingische Migranten, Wirtschaftsflüchtlinge aus dem Alemannischen, subsidiäre Familiennachzügler aus dem Fränkischen, dazu thüringische und langobardische Volkssplitter.

Die verbliebenen römischen Grenzsöldner schoben niemanden ab, sondern vermischten sich fröhlich mit den Asyltouristen. So entstanden Schuhplattler, Schweinshaxe und Oktoberfest.

Dr. Herwig Wolfram, Professor für mittelalterliche Geschichte, nannte die Bajuwaren schlicht „Findelkinder der Völkerwanderung". Fest steht: Ganz Bayern ist das Ergebnis einer anarchistischen "No Borders, No Nations"-Politik.

Debian 9 "Stretch" auf "Thinkpad E470" installieren

Das "Thinkpad E470" arbeitet fehlerfrei mit Debian "Stretch" zusammen. Wifi und Trackpad funktionieren out of the box. Folgender Installationsvorgang empfiehlt sich:

Bootable USB-Stick mit Debian-Installations-Image "Firmware 9.3.0 AMD 64 Netinstall" erstellen (z.B. unter MacOS mit "sudo dd" oder unter Windows mit "Win32DiskImager")

Windows-Partition bereinigen und defragmentieren. Mit Partitionierungs-Programm wie z.B. "MiniTool Partition Wizard" (Freeware) die Windows-Partition verkleinern und eine neue, freie Partition für Debian angelegen.

"Fast Boot" ausschalten (Systemsteuerung > Hardware und Sound/Energieoptionen > Was beim Drücken des Netzschalters... > Einige Einstellungen sind momentan … > Schnellstart aktivieren aus).

Im BIOS folgende Einstellungen setzen (Während Startvorgang bei Erscheinen von "Lenovo"-Splash-Screen "Enter" drücken, dann F2):

UNTER "SECURITY":

Secure Boot: Off

UNTER "STARTUP":

UEFI/Legacy Boot: UEFI only

CSM Support: No

Ethernet-Kabel und bootbaren Debian-USB-Stick anschließen. Thinkpad neu starten. Während Startvorgang bei Erscheinen von "Lenovo"-Splash-Screen "Enter" drücken, dann mit F11 Bootmenü aufrufen. Vom Debian-USB-Stick booten. Debian Installationsanweisungen folgen.

Satoshi Nakamoto

Im August 2008 beschloss ich, mich aus dem liederlichen Literaturbetrieb zurückzuziehen und gänzlich mit dem Schreiben aufzuhören.

Die kalkulierte Weichheit kampagnenhafter Bücherfluten voll aufgestocherten Meinungsschlamms widerte mich nur noch an. Sollten sich doch die Hooligans des Firlefanzes draußen am Rande der Stadt fortan allein um Ruhm und Ehre prügeln. Bestseller sind für Idioten, die zu geizig sind, das Abo für DVB-T2 zu zahlen.

Die riesige Serverfarm, die bislang all meine experimentellen Romane errechnet hatte, lag nach meinem mutigen Rückzug plötzlich brach. Stille in meinem Maschinenraum unten im Kellergewölbe. Das Haus kühlte aus, denn für gewöhnlich nutzte ich die Server-Abwärme zum Heizen. Es war ungemütlich.

An einem kalten Herbstabend 2008 schrieb ich bei einer Flasche Corbières die Bitcoin-Software. Es war das Wunderbarste, das jemals meinem Gänsekiel entströmte. 50 Tausend Zeilen strahlender C++-Code. Reine Kryptoschönheit. Pure Avantgarde.

Seit jenem Herbstabend nutze ich die Rechenkraft in meinem Keller, um Kryptowährung zu schürfen; seit jenem Herbstabend steigen die Kurse; seit jenem Herbstabend ist es wieder warm in meinem Haus.

Literaturkritiker interessieren mich nicht mehr. Ich bin jetzt der Alptraum aller Notenbanker.

Theodor W. Adorno: "Über 'Breaking Bad'"

In den US-amerikanischen Fernsehserien liegen Mechanismen, welche in Wahrheit der gesamten gegenwärtigen Ideologie, aller Kulturindustrie angehören, obenauf. Im Buhlen um Quote sind alle Formelemente des TV-Serienspektakels durch die kapitalistische Forderung nach seiner Tauschbarkeit völlig abstrakt vorgeformt. Die bestimmenden Züge an ihm sind die warenhaften. Diese Serien müssen gleichzeitig stets dasselbe sein und stets das Neue vortäuschen.

Leitkultur

Wir werden nun also die Frage zu diskutieren haben, ob eine Ode von Friedrich Hölderlin ganz ohne Kehrwoche, Weihnachtsstollen und Sauerbraten überhaupt denkbar wäre.

Ich sage nein. Gerade der genuin deutsche Sauerbraten ist ja eben jene kulturelle Basismarinade, aus dem eine Hölderlin'sche Ode überhaupt erst emporsteigen kann.

Emmanuel in Hamburg

G20-Ikone

Anti-G20-Protest 2017, Schanzenviertel, Hamburg

Die Sherpas hatten ihn gelangweilt. Merkel hatte ihn gelangweilt. Alle waren so langweilig. Er war froh, als ihn die Kolonne von den Messehallen zurück ins Mövenpick im Schanzenpark brachte. Allein saß er oben in dem alten Wasserturm. So musste sich Rapunzel gefühlt haben. Verrückte Deutsche mit ihren verdammten Märchen.

Er stahl sich aus dem Schanzenturm. Immer der Musik nach. Es roch nach Feuerwerkskörpern und Döner. Wie es sich wohl anfühlte, jung zu sein? Er hatte das Gefühl, als hätten sie ihn direkt aus dem Kindergarten in den Élysée-Palast gewählt. Er streifte umher. Niemand erkannte ihn.

Plötzlich sah er sie. Sie sass auf einem Autodach. Die Arme erhoben, hinter ihr die Masse. Wie auf dem Revolutionsbild von Eugène Delacroix: "La Liberté guidant le Peuple". Aus dem Lausprecher hinter ihr kam "Get Lucky".

Später, am Bismarck-Denkmal, küssten sie sich. Sie ließen sich die ganze Nacht treiben, die nächste und übernächste auch. In der Roten Flora versorgten sie einen Verletzten und aßen ein veganes Curry. "Vokü", flüsterte Liberté. Und dann nahm man sie ihm. Steckte sie in die Gefangenensammelstelle in Harburg.

Er konnte es nicht ändern. So war das. Als eine Woche später der amerikanische Präsident zu Besuch in Paris war, ließ Emmanuel die Militärkapelle auf den Champs-Elysées "Get Lucky" spielen. Mehr konnte er nicht tun für Liberté. Trump verzog keine Miene.

Es war ihm egal. In seinem Herzen bebten noch die Hamburger Nächte. Er musste lächeln.

Meine Jahre in Oxford

5:15 Uhr in der Früh. Die eisige Gischt spritzt über den Bug und uns ins Gesicht. "Gut gegen Deinen Whiskey-Schädel", sagt der Earl of Wombat. Altschottischer Hochlandadel.

Unser knarzender Zweier zieht an den alten Gemäuern von Oxford vorbei. Mehr Brücken als Duisburg-Süd.

Eigentlich soll ich hier für ein Semester studieren. Aber Earl Wombat hat mich in einen elitären Geheimclub eingeschleust. Die Bibliothek ist noch schöner als die alte SPIEGEL-Kantine.

Scroogeweazel, unser Logen-Ältester, hat uns eine Aufnahmeprüfung auferlegt: Wir müssen Banksy finden. Er soll sich hier irgendwo in eine vergessene Katakombe zurückgezogen haben, um sein künstlerisches Vermächtnis zu schaffen. Denn Banksy leidet an Crocodile-Sucht. Die Todesdroge aus den Underground-Laboren Odessas.

Der geheimnisvolle Sprayer will die alte Katakombe in eine neue Sixtinische Kapelle verwandeln. Das hat Schirrmacher Markwort gesteckt. Es heisst, Banksy wird alles verarbeiten, was er über 9/11 weiss. Scoop!

Aber ich komme einfach nicht zu dem Banksy-Scheiss. Seit einem halben Jahr hat mich Sergei, der kasachische Oligarchen-Spross, in die Cagefight-Szene von Harvard gezogen. Das Kämpfen ist wie ein Rausch.

Ich glaube, jetzt kann mich nur noch Penny retten. Wombats Zimmermädchen. Wir wollen zusammen durchbrennen. Penny hat einen Plan, wie sie Oxford aus meinem Kopf und Penny reinbringt: Ein Jahr ins Shaolin-Kloster. Oder soll ich doch lieber Kieser-Training bei der 'Ndrangheta machen?

Voting morgen ab 17:00 auf SPIEGEL online.

Alain de Botton: Living Architecture

Früher tranken Philosophen wenigstens noch den Schierlingsbecher, erdrosselten ihre Frau, wurden schier verrückt und küssten Pferde während der Passeggiata.

Der Philosoph Alain de Botton lässt Star-Architekten schöne Ferienhäuser bauen.

Dankesrede für den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik

Danke für diesen Preis. Wurde auch Zeit. Jahrzehntelang habe ich irgendwelche Problemschmonzetten vom Balkan besprochen. Diese Langeweile! Vorteil: Du kannst schreiben, was du willst, weil eh keiner peilt, was das pseudo-avantgardistische Gestammel soll.

Literaturkritik, meine Damen und Herren, das heisst, sich mit Grenzerfahrungen extremster Art konfrontiert zu sehen. Jahrzehntelang auf Verlagsempfängen abhängen und über die besten Regalsysteme fachsimpeln. Jahrzehntelang sich mühselig mit dem Weiterverkauf von Rezensionsexemplaren über Wasser halten.

Der Dank? Hier & da ein Getränkegutschein für die Happy Hour irgendwelcher unabhängigen Verlage. Unabhängig, mein Arsch. Dafür habe ich mir doch nicht 20 Semester Kulturmanagement in Osnabrück gegeben.

Danke, Alfred Kerr. Von den 5000 Euro kaufe ich mir einen Rasenmähroboter. Gibt's was Geileres? Jetzt noch eine Creative-Writing-Professur, und ich kann mich endlich ganz meinen geliebten Ausmalbüchern widmen.

Scheiße, wäre ich bloß Rockstar geworden.

Alzheimer FM

Jetzt hören die Fassadenmaler "Holding Out for a Hero" von Bonnie Tyler. Es gibt keinen Gott. Er wurde auf einem Baugerüst gekreuzigt und ist nie wieder auferstanden. Maria Magdalena weinte und hörte Alzheimer FM.