Skip to content

Deutsch-Französischer Journalistenpreis 2018 für "Zwei Brüder" (stern crime)

Meine "STERN crime"-Geschichte "Zwei Brüder" (crime 14, 01.08.2017) hat den Deutsch-Französischen Journalistenpreis 2018 in der Kategorie "Text" gewonnen.

Hier geht's zum Text

So sah "Deutschlandfunk Kultur" die Verleihung:

"Die momentane Sinnkrise Europas und die Frage nach seiner Zukunft: das war in unterschiedlichsten Facetten auch das Leitmotiv in vielen der nominierten Beiträge.

In seinem Text 'Zwei Brüder' erzählt Preisträger Stephan Maus die Geschichte von Hamid und Hakim – und beschreibt so das Schicksal der ersten Generation von Einwanderern in Frankreich. Der ältere Bruder ist eine Größe der Marseiller Unterwelt – der jüngere arbeitet sich hoch, wird erfolgreicher Anwalt, glaubt fest an die republikanischen Werte. Und doch habe er gesehen, dass sein Bruder davon eben nicht profitieren konnte, sagt Maus.

In seinem Text 'Zwei Brüder' erzählt Preisträger Stephan Maus die Geschichte von Hamid und Hakim – und beschreibt so das Schicksal der ersten Generation von Einwanderern in Frankreich. Der ältere Bruder ist eine Größe der Marseiller Unterwelt – der jüngere arbeitet sich hoch, wird erfolgreicher Anwalt, glaubt fest an die republikanischen Werte. Und doch habe er gesehen, dass sein Bruder davon eben nicht profitieren konnte, sagt Maus.

'Da kann man sich fragen, was das für Werte sind, wenn sie für eine ganze Generation nicht gelten. Und was sollen das für Werte sein, die wir uns so sehr auf die Fahnen schreiben, wenn nicht die Schwächsten davon profitieren können, die hier Hilfe und Schutz suchen. Das macht für mich diese Geschichte so aktuell.'"

Ganzer Bericht bei Deutschlandfunk Kultur

Heimatkunde

Was passiert eigentlich, wenn ein Land plötzlich gar keine Grenzen mehr hat? Nun, es entsteht ein neues Land. Bayern zum Beispiel.

Nach dem Abzug der römischen Grenzsöldner und der romanischen Bevölkerung aus dem Alpen- und Voralpenraum entstand ein Siedlungsvakuum auf dem Gebiet des heutigen Oberösterreich.

Hier siedelten sich die unerschiedlichsten Stämme an: ostgermanisch-gotische Clans, vagabundierende Elbgermanen, westlich-merowingische Migranten, Wirtschaftsflüchtlinge aus dem Alemannischen, subsidiäre Familiennachzügler aus dem Fränkischen, dazu thüringische und langobardische Volkssplitter.

Die verbliebenen römischen Grenzsöldner schoben niemanden ab, sondern vermischten sich fröhlich mit den Asyltouristen. So entstanden Schuhplattler, Schweinshaxe und Oktoberfest.

Dr. Herwig Wolfram, Professor für mittelalterliche Geschichte, nannte die Bajuwaren schlicht „Findelkinder der Völkerwanderung". Fest steht: Ganz Bayern ist das Ergebnis einer anarchistischen "No Borders, No Nations"-Politik.

Ich bin Abitur

Die Hamburger Schüler hatten in ihrer Deutsch-Abiturklausur 2018 die Wahl zwischen vier Themen. Eines davon war die Analyse von Kriminalliteratur. Diskussionsgrundlage hierfür war ein Essay über die Faszination des Bösen, den ich 2016 für „STERN crime“ geschrieben habe. Dies ist die ganze Abituraufgabe:

"Ich bin Abitur" vollständig lesen

ICH BIN 3000 DATEIEN: Meine Facebook-Sucht, meine Daten und Cambridge Analytica (stern)

Hallo, lieber Leser. Unserem geliebten Facebook geht es nicht gut. Das müssen wir ändern. Poste all Deine sexuellen Vorlieben, Deine schlimmsten Kindheitserinnerungen, Deine bewegendsten Nacktbilder, Deine geheimsten Putschpläne. Jetzt die Facebook-Aktie in die Gewinnzone posten! Tagesziel: 5 Prozent.

Tut auch gar nicht weh. Ist auch gar nicht so schlimm. Ist das T-Shirt erst gefallen, fällt der Striptease erstaunlich leicht. Ich seh's ja an mir selbst. Für einen Like einer meiner 3500 Freunde bin ich inzwischen bereit, praktisch alles zu tun. Neulich hätte ich sogar fast ein Foto von meiner Tochter gepostet. Sie sah so lustig aus in ihrem vereisten Wintermantel mit einem Haufen Schnee auf dem Kopf. Immerhin sah man sie nur von hinten. Trotzdem: das Foto des eigenen Kindes auf Facebook! Wie krank muss man sein?

Ich bin da so reingerutscht. Wie man halt reinrutscht in eine Sucht. Alkohol, Kokain oder die Sucht nach dem bunten Kolibri unserer Träume, dem man im frischen Tau der frühen Morgenstunden hinterherjagt, weil man sehen will, wie der kleine, irrlichternde Federball im transparenten Glast der aufgehenden Sonne schimmert.

Entschuldigung, ich schweife ab. Kann mich grad nicht konzentrieren. Musste eben schnell einen russischen Porno-Bot in meine Freundesliste aufnehmen. Ich liebe diese schüchtern lächelnden Beauty-Queens aus Wolgograd, Kasachstan oder Omsk. Beruhigend flackernde Lichter in meinem düsteren Alltag.

Jetzt, wo die Datenanalysten von Cambridge Analytica unser geliebtes Facebook an den Abgrund bringen, wollte ich mir meine digitale Vergangenheit einmal näher anschauen. Meine Suchtgeschichte hat nämlich gerade 10-jähriges Jubiläum. Guter Anlass, in alten Erinnerungen zu schwelgen und nachzuschauen, was genau von mir eigentlich auf den Servern des Sozialen Netzwerkes alles gespeichert ist. Also habe ich mir alle Daten heruntergeladen, die Facebook von mir besitzt.

Vollständige Geschichte auf stern.de

Werner Herzog: "Bei so einer Frage muss ich auf die Herrentoilette und mich übergeben" (stern)

Filmemacher Werner Herzog spricht über sexuellen Missbrauch, Größenwahn und darüber, wie man in Hollywood überlebt.

(Von Hannes Roß und Stephan Maus)

Herr Herzog, die "Me Too"-Debatte legt die verborgenen Machtstrukturen im Filmgeschäft offen. Sichtbar wird ein düsteres Milieu, in dem narzisstische Männer Frauen erniedrigen und vergewaltigen.

Was wir hier erleben, geht weit über Hollywood und das Filmgeschäft hinaus. Das ist etwas viel Größeres. Ein Verhalten wie das von Kevin Spacey oder Harvey Weinstein beispielsweise ist in absehbarer Zukunft undenkbar. Männer wissen jetzt, dass sie nicht nur aus einem Film entfernt werden, sondern ihre ganze Lebenskarriere riskieren. Endlich kommt die Zäsur, die die feministische Bewegung schon seit den 60er Jahren zu Recht fordert. Was wir im Moment miterleben, ist epochal.

Inzwischen geben sogar Schauspieler aus Woody-Allen-Filmen ihre Gagen zurück und sagen, ich bereue, mit ihm gedreht zu haben.

Bei Woody Allen wusste man schon lange, dass er nicht ganz koscher ist.

Vor Gericht wurde Woody Allen allerdings freigesprochen.

Es spielt keine Rolle, ob er freigesprochen wurde oder nicht. Harvey Weinstein wird vielleicht auch freigesprochen werden.

Im Fall von Jörg Kachelmann konnte man sehen, dass falsche Anschuldigungen drohen, ein ganzes Leben zu zerstören.

Es ist erst einmal nichts Verkehrtes daran, wenn ein Schauspieler ein Zeichen setzt und seine Gage zurückgibt. Der Schauspieler sagt ja nicht, Woody Allen hat sich des Inzests schuldig gemacht. Vielleicht schlägt das Pendel hin und wieder zu weit aus. Auf jeden Fall haben wir eine neue Epochenlinie zu Gesicht bekommen.

2013 offenbarte Pola Kinski in einem "stern"-Interview, dass ihr Vater sie als Minderjährige sexuell missbraucht hatte. Damit wurde Klaus Kinski zu einem der ersten Fälle von restloser Entzauberung einer Film-Ikone. Waren Sie damals überrascht von Pola Kinskis Enthüllung?

Pola hat bei mir Rat gesucht, lange bevor sie an die Öffentlichkeit ging. Was in ihrem Buch stand, wusste ich schon.

Wie haben Sie auf Pola Kinskis Hilferuf reagiert?

Man kann in einem solchen Moment nicht trösten, weil es keine Tröstung gibt. Man kann nur zuhören. Und ich habe mir gesagt: Ich kann nicht wirklich helfen. Aber vielleicht einen Teil der Last übernehmen. Weil ich auch jemand war, der mit Kinski seine Last zu tragen hatte.

Bevor Kinski 1991 verstarb, haben Sie 25 Jahre lang mit ihm zusammen gearbeitet. Haben Sie nie etwas geahnt?

Nein. Die ersten Vermutungen kamen erst 20 Jahre nach unserem letzten gemeinsamen Film "Cobra Verde" aus dem Jahr 1987 auf. Damals haben sich Frauen bei mir gemeldet, die auch unter Kinski gelitten haben.

Sie haben fünf Filme mit Kinski gedreht, und dabei ist Ihnen nie etwas aufgefallen?

Es gab Momente mit Kinski, wo er in düsteren Drohungen gegen mich andeutete, er könne für mich so gefährlich werden wie seinen Töchtern gegenüber. Aber was das wirklich bedeutet hat, habe ich erst durch Polas Erzählungen verstanden. Da hat sich erst spät, ganz spät im Nachhinein, ein anderes Bild von ihm zusammengesetzt.

Vollständiges Interview auf stern.de

Debian 9 "Stretch" auf "Thinkpad E470" installieren

Das "Thinkpad E470" arbeitet fehlerfrei mit Debian "Stretch" zusammen. Wifi und Trackpad funktionieren out of the box. Folgender Installationsvorgang empfiehlt sich:

Bootable USB-Stick mit Debian-Installations-Image "Firmware 9.3.0 AMD 64 Netinstall" erstellen (z.B. unter MacOS mit "sudo dd" oder unter Windows mit "Win32DiskImager")

Windows-Partition bereinigen und defragmentieren. Mit Partitionierungs-Programm wie z.B. "MiniTool Partition Wizard" (Freeware) die Windows-Partition verkleinern und eine neue, freie Partition für Debian angelegen.

"Fast Boot" ausschalten (Systemsteuerung > Hardware und Sound/Energieoptionen > Was beim Drücken des Netzschalters... > Einige Einstellungen sind momentan … > Schnellstart aktivieren aus).

Im BIOS folgende Einstellungen setzen (Während Startvorgang bei Erscheinen von "Lenovo"-Splash-Screen "Enter" drücken, dann F2):

UNTER "SECURITY":

Secure Boot: Off

UNTER "STARTUP":

UEFI/Legacy Boot: UEFI only

CSM Support: No

Ethernet-Kabel und bootbaren Debian-USB-Stick anschließen. Thinkpad neu starten. Während Startvorgang bei Erscheinen von "Lenovo"-Splash-Screen "Enter" drücken, dann mit F11 Bootmenü aufrufen. Vom Debian-USB-Stick booten. Debian Installationsanweisungen folgen.

Satoshi Nakamoto

Im August 2008 beschloss ich, mich aus dem liederlichen Literaturbetrieb zurückzuziehen und gänzlich mit dem Schreiben aufzuhören.

Die kalkulierte Weichheit kampagnenhafter Bücherfluten voll aufgestocherten Meinungsschlamms widerte mich nur noch an. Sollten sich doch die Hooligans des Firlefanzes draußen am Rande der Stadt fortan allein um Ruhm und Ehre prügeln. Bestseller sind für Idioten, die zu geizig sind, das Abo für DVB-T2 zu zahlen.

Die riesige Serverfarm, die bislang all meine experimentellen Romane errechnet hatte, lag nach meinem mutigen Rückzug plötzlich brach. Stille in meinem Maschinenraum unten im Kellergewölbe. Das Haus kühlte aus, denn für gewöhnlich nutzte ich die Server-Abwärme zum Heizen. Es war ungemütlich.

An einem kalten Herbstabend 2008 schrieb ich bei einer Flasche Corbières die Bitcoin-Software. Es war das Wunderbarste, das jemals meinem Gänsekiel entströmte. 50 Tausend Zeilen strahlender C++-Code. Reine Kryptoschönheit. Pure Avantgarde.

Seit jenem Herbstabend nutze ich die Rechenkraft in meinem Keller, um Kryptowährung zu schürfen; seit jenem Herbstabend steigen die Kurse; seit jenem Herbstabend ist es wieder warm in meinem Haus.

Literaturkritiker interessieren mich nicht mehr. Ich bin jetzt der Alptraum aller Notenbanker.

Theodor W. Adorno: "Über 'Breaking Bad'"

In den US-amerikanischen Fernsehserien liegen Mechanismen, welche in Wahrheit der gesamten gegenwärtigen Ideologie, aller Kulturindustrie angehören, obenauf. Im Buhlen um Quote sind alle Formelemente des TV-Serienspektakels durch die kapitalistische Forderung nach seiner Tauschbarkeit völlig abstrakt vorgeformt. Die bestimmenden Züge an ihm sind die warenhaften. Diese Serien müssen gleichzeitig stets dasselbe sein und stets das Neue vortäuschen.

Leitkultur

Wir werden nun also die Frage zu diskutieren haben, ob eine Ode von Friedrich Hölderlin ganz ohne Kehrwoche, Weihnachtsstollen und Sauerbraten überhaupt denkbar wäre.

Ich sage nein. Gerade der genuin deutsche Sauerbraten ist ja eben jene kulturelle Basismarinade, aus dem eine Hölderlin'sche Ode überhaupt erst emporsteigen kann.

Emmanuel in Hamburg

G20-Ikone

Die Sherpas hatten ihn gelangweilt. Merkel hatte ihn gelangweilt. Alle waren so langweilig. Er war froh, als ihn die Kolonne von den Messehallen zurück ins Mövenpick im Schanzenpark brachte. Allein saß er oben in dem alten Wasserturm. So musste sich Rapunzel gefühlt haben. Verrückte Deutsche mit ihren verdammten Märchen.

Er stahl sich aus dem Schanzenturm. Immer der Musik nach. Es roch nach Feuerwerkskörpern und Döner. Wie es sich wohl anfühlte, jung zu sein? Er hatte das Gefühl, als hätten sie ihn direkt aus dem Kindergarten in den Élysée-Palast gewählt. Er streifte umher. Niemand erkannte ihn.

Plötzlich sah er sie. Sie sass auf einem Autodach. Die Arme erhoben, hinter ihr die Masse. Wie auf dem Revolutionsbild von Eugène Delacroix: "La Liberté guidant le Peuple". Aus dem Lausprecher hinter ihr kam "Get Lucky".

Später, am Bismarck-Denkmal, küssten sie sich. Sie ließen sich die ganze Nacht treiben, die nächste und übernächste auch. In der Roten Flora versorgten sie einen Verletzten und aßen ein veganes Curry. "Vokü", flüsterte Liberté. Und dann nahm man sie ihm. Steckte sie in die Gefangenensammelstelle in Harburg.

Er konnte es nicht ändern. So war das. Als eine Woche später der amerikanische Präsident zu Besuch in Paris war, ließ Emmanuel die Militärkapelle auf den Champs-Elysées "Get Lucky" spielen. Mehr konnte er nicht tun für Liberté. Trump verzog keine Miene.

Es war ihm egal. In seinem Herzen bebten noch die Hamburger Nächte. Er musste lächeln.