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Hemingways 50. Todestag: "37 Stufen bis zum Waffenschrank" (stern, 27/2011)

Vor 50 Jahren erschoss sich Ernest Hemingway. Seit einem halben Jahrhundert versuchen Kritiker und Biographen zu erklären, warum dieser energiegeladene Autor den Lebenskampf aufgab. Beim Anblick der Regale voller verschwafelter Hemingway-Literatur wurde schnell klar, dass eine Geschichte über den Schriftsteller keine weitere Exegese seines Werkes oder seiner Psyche sein durfte. Außerdem sollte es ein Text sein, der mit nicht allzu geschwollenen Eiern und einigermaßen kontrollierter Testosteronausschüttung geschrieben ist. 50 Jahre Hemingway Write-Alike Contest haben schon genug Journalisten versaut.

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Julian Assange: Der Held der Cyberpunks

Größenwahnsinniger Soziopath! Herrschsüchtiger Egozentriker! Frauenhungriger Monoman mit Allmachtsphantasien! Das ungefähr ist die Diagnose, die man dem Wikileaks-Gründer Julian Asssange aus der Ferne angedeihen lässt, seit er geheime diplomatische Dokumente der USA veröffentlichen ließ. Vielleicht stimmt diese Küchenpsychologie, mit der sich die etablierten Medien an Assange abarbeiten, als wollten sie Rache dafür üben, dass er ihnen mit seiner Enthüllungsplattform den Schneid abgekauft hat. Vielleicht ist sie aber einfach auch nur grober Unsinn.

Eines jedenfalls sicher: Es ist vollkommen zweitrangig, was für ein Bursche Assange ist. Es sollte uns um die Idee gehen, die er mit Wikileaks verfolgt. Die Idee von absoluter Transparenz in Politik und Wirtschaft. Wer hier ein Geheimnis kennt, darf es auf Wikileaks verraten. Denn Geheimnisse sind der Feind einer offenen Gesellschaft. Eine einfache und eine gute Idee. Wohlgemerkt: Es ging Julian Assange niemals um die Verletzung der persönlichen Privatsphäre. Diese Idee wäre eine schlechte Idee. Aber schließlich hat Assange Wikileaks gegründet, nicht die „Bunte“ oder „BILD“.

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Star-Pianist Lang Lang in 3D im Berliner In-Club Berghain

Am Wochenende fummeln und kopulieren sie in dieser Nische wieder, verschwitzte, zugedröhnte Clubber. Heute liegt hier der erfolgreichste Pianist der Welt auf einer Ledercouch und macht ein Nickerchen. Lang Lang sammelt Kräfte für den ersten Satz von Beethovens Klaviersonate Nr. 23 in f-Moll op. 57. “Appassionata”. Die Leidenschaftliche.

Auf seiner Nase eine verrutschte 3D-Brille. Vor ihm auf dem Kontrollmonitor ist der Starpianist beim Klavierspiel zu beobachten. Betrachtet man die Aufzeichnung ohne 3D-Brille, zerlaufen die Konturen in allen Regenbogenfarben.

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Top-Terrorist Carlos, der Schakal, exklusiv im „stern“: „Im Kampf war ich zu tolerant“

Ilich Ramírez Sánchez am Anfang seiner Terror-Karriere im Jahr 1974

Als ich in der französischen Presse lese, der wegen mehrerer Morde zu lebenslanger Haft verurteilte Terrorist Ilich Ramírez Sánchez alias "Carlos, der Schakal" habe versucht, gerichtlich gegen Olivier Assayas' großartigen dokumentarischen Spielfilm „Carlos, der Schakal" vorzugehen, vermute ich, dass der ehemalige Top-Terrorist Redebedarf hat. Vielleicht ließe sich Carlos zu einer Stellungnahme zur Verfilmung seines Lebens bewegen. Vielleicht ließe sich diese Stellungnahme sogar zu einem Gespräch über jahrzehntelanges Morden ausweiten.

Ich versuche, seine Pariser Anwältin Isabelle Coutant-Peyre dafür zu gewinnen, den Kontakt zu ihrem Klienten herzustellen, der in einem Hochsicherheitsgefängnis im französischen Poissy sitzt. Mme Coutant-Peyre ist nicht nur der Rechtsbeistand des Terroristen, sondern auch seine Lebensgefährtin. Während des Prozesses verliebte sie sich in ihren Klienten. Seitdem führen die beiden eine Beziehung durch Panzerglas. Isabelle Coutant-Peyre schätzt vor allem die "natürliche Autorität" ihres Lebensgefährten.

Die bekomme auch ich bald zu spüren. Carlos ist misstrauisch. Er bittet um sämtliche "stern"-Artikel, die jemals über ihn erschienen sind. Er sitzt seit 16 Jahren im Hochsicherheitsgefängnis. Natürlich darf er keine Interviews geben. Doch Verbote haben ihn noch nie interessiert. Um Mittelsmänner zu schützen, müssen die genauen Umstände des Gespräches im Dunkeln bleiben.

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Gaza-Blockade: Henning Mankells Schiffstagebuch

Als am 20. Mai die Meldung kam, der schwedische Krimi-Autor Henning Mankell wolle zusammen mit 500 weiteren Aktivisten versuchen, an Bord einer Solidaritätsflotte die israelische Seeblockade vor Gaza zu durchbrechen, dachte ich erst: "Nun ja, der gute Mensch von Göteborg schon wieder. Wahrscheinlich hat er eine Doppelkabine mit Bono von U2."

Einen Kaffee später dachte ich: "Protest-Frachter, seltsame Aktivisten, Mondschein auf nächtlichem Mittelmeer, Gaza, Israel, Hamas und Mossad. Und mittendrin Mankell, der gerade erst in seinem jüngsten Roman "Der Feind im Schatten" seinem Kommissar Wallander für immer Adieu gesagt hatte. Da kommt doch schon ganz gut was zusammen. Das ist doch eine tolle Geschichte."

Ich griff zum Telefon. Ich wollte unbedingt mit Mankell nach Gaza. Ich sah mich schon bei gemäßigtem Seegang mit dem Bestsellerautor über den Abschied von seinem Alter Ego plaudern, über politisches Engagement und Gutmenschentum, während im frühmorgendlichen Glast am Horizont das Gelobte Land langsam Form annahm. Und wer weiss, was beim Durchbrechen einer Seeblockade noch so alles passieren konnte. Ich setzte alle Hebel in Bewegung, um mit Mankell zusammen an Bord des schwedischen Schiffes zu kommen. Erst sah es auch ganz gut aus. Doch schließlich hieß es: "Kein Platz mehr. Sorry, nichts zu machen."

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Blogger Airen: Hegemanns Buch "hat seinen Erfolg verdient"

Für eine Geschichte über Helene Hegemanns Debütroman "Axolotl Roadkill" (siehe "stern", Heft 9/2010) habe ich u.a. auch ein Mail-Interview mit dem anonymen Blogger Airen geführt, von dem Hegemann gut zwei Dutzend Sätze abgeschrieben hat.

Hier die Pressemitteilung:

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