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Goetz

Ein heißer Tag im August 2012. Multiplikatoren-Zusammenkunft im Suhrkamp-Haus im Prenzlauer Berg. Rainald Goetz sollte seinen neuen Roman "Johann Holtrop. Abriss der Gesellschaft" vorstellen. Kleiner grauer Raum, dem man ansah, dass dies hier früher ein Finanzamt gewesen war.

Es war stickig. In einer Ecke lag ein schwarzes Knäuel auf dem Boden: Der dicke Mantel der Suhrkamp-Pressechefin. Seltsames Suhrkamp. Warum trug Frau Dr. Postpischil bei diesem Wetter einen Mantel? Leuchtend und schwer lag er da wie Pantherfell. Auf einem Tisch ein Stapel mit Holtrop-Leseexemplaren. Die Zeit verstrich, es tat sich nichts. Der Smalltalk kam nicht in Gang. Zäh tropfte der Nachmittag in den gleißenden Hinterhof.

Maxim Biller hatte schon die drei obersten Knöpfe seines Hemdes geöffnet und die Ärmel hoch gekrempelt. Ein junger Mann machte Fotos mit einer analogen Olympus-Kamera.

Plötzlich bewegte sich der schwere Mantel. Unter dem Panther leuchtete warholweißes Haar hervor. Goetz stand auf, warf den Presse-Mantel ab, stand im Raum, weisses Hemd, blaues Jackett, makellos vibrierend, sofort angezündet von Kopf bis Fuß. Und während sich das Publikum den Multiplikatoren-Schweiß von der Stirn tupfte, schickte Goetz aus frischem Gesicht ein Lächeln in die Runde. Dann griff er sich ein Leseexemplar seines neuen Romans, reckte es in die Luft wie eine Beute und sagte: "Freude heisst dieser Tag, Zeitballung dieses Objekt. Willkommen bei Suhrkamp."

Jan Böhmermanns #varoufake: Anatomie einer Hysterie

In Griechenland ist ein Viertel der Bevölkerung von Armut bedroht. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 61,4 Prozent. Die Kindersterblichkeit hat sich seit 2008 um 40 Prozent erhöht, weil unter dem eisernen Regiment der Troika das Gesundheitssystem zusammengestrichen wurde. Und was machen wir? Das Land, das seit Jahren am meisten Druck auf Griechenland ausübt? Wir echauffieren uns eine Woche lang über den Mittelfinger des griechischen Finanzministers.

Dieser Mittelfinger ist Symptom einer tiefen Medienkrise. An Fingergate lässt sich ablesen, wie unsere Erregungsgesellschaft funktioniert. Immer schwerer fällt es den Medien, die großen Zusammenhänge darzustellen. Sie fokussieren auf Details, um Emotionen zu schüren. Erregung produziert Auflage und Klicks.

Zeit für nüchterne Analyse: Wie kam es zu der Medienhysterie? Wie funktioniert die Empörungsmaschinerie?

"Jan Böhmermanns #varoufake: Anatomie einer Hysterie" vollständig lesen

Interludium für Schlepperballett

2 Hafenkräne Rücken an Rücken

Im Tangram-Duell.

Das Tropeninstitut spielt

Kurz Sekundant,

Verfällt dann wieder in

Flamingo-Rêverien.

"stern": Jahrelang missbrauchte Klaus Kinski seine älteste Tochter Pola

Pola Kinski, älteste Tochter des 1991 verstorbenen deutschen Schauspielers Klaus Kinski, erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Vater. In der neuen, am Donnerstag, den 10.01.2013 erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins „stern“ sagt sie, ihr Vater habe sie vom 5. bis zum 19. Lebensjahr sexuell missbraucht. „Er hat sich über alles hinweggesetzt. Auch darüber, dass ich mich oft gewehrt habe und gesagt habe: ‚Ich will nicht.’ Das war ihm egal. Er hat sich einfach genommen, was er wollte“, so Kinski im exklusiven „stern“-Gespräch.

Kinski sagte, sie habe ihre ganze Kindheit über mit einem permanenten Gefühl von Angst vor den Ausbrüchen ihres Vaters gelebt. Als Schauspieler habe sie ihren Vater niemals sehen können: „Wenn ich ihn in Filmen gesehen habe, fand ich immer, dass er genauso ist wie zu Hause“, sagte Kinski, die sehr früh große Erfolge als Theaterschauspielerin feierte, sich aber bald schon aus dem Beruf zurückzog. Ihr Urteil über den Vater: „Missbraucht hat er eigentlich alle Menschen. Er hat andere Menschen nie respektiert.“

Pola Kinski hat über ihre zerstörte Kindheit und Jugend ein Buch geschrieben, das in Kürze erscheint („Kindermund“, Suhrkamp). Kinski sagte dem „stern“, sie habe diese Autobiografie auch geschrieben, um sich gegen die allgegenwärtige Kinski-Vergötterung zu wenden. „Ich konnte es nicht mehr hören: „Dein Vater! Toll! Genie! Ich habe ihn immer gern gemocht!’ Seit er tot ist, wird diese Vergötterung immer schlimmer“, sagte Kinski.

Lesen Sie mein Gespräch mit Pola Kinski im "stern" vom 10.01.2013 (Heft 3/2013).