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"Die reinen Herzen", Entstehung, I: Vom SZ-Artikel zum Drehbuch-Treatment

Im Mai 2003 schickte mir der Regisseur Mennan Yapo eine E-Mail. Er hatte meine Kung-Fu-Geschichte »Reif für Meister Lee« (SZ, 24.05.2003) gelesen und dachte, ich sei der richtige Mann für sein nächstes Drehbuch. Mennan war gerade dabei, seinen Thriller »Lautlos« (mit Joachim Król, Nadja Uhl und Christian Berkel) zu schneiden.

Sofort spekulierte ich auf die Gelegenheit, das Drehbuch für den großen deutschen Kung-Fu-Thriller verfassen zu dürfen. Aber Mennan wollte Porno. Weil Porno beinahe so gut wie Kung-Fu ist, sagte ich zu. Mennan skizzierte mir, was ihm vorschwebte: Ein junger Mann wird ins Porno-Business hineingezogen und nutzt seinen wachsenden Ruhm für ein höheres Amt. In der Politik zum Beispiel. Berlin Boogie Nights.

Karin Graf von der Berliner Literaturagentur "Graf & Graf" setzte einen Vertrag zwischen Yapo und mir auf. Wir legten fest, dass ausschließlich Mennan Yapo das Drehbuch verfilmen durfte. Im Gegenzug war ich frei, das Drehbuch zu einem Roman auszuarbeiten und unter meinem Namen zu veröffentlichen. Ebenfalls regelte der Vertrag die Verteilung aller Honorare und Fördergelder.

Zwei Monate später schickte ich Mennan meine Drehbuchideen. So sind Autoren: Alle zwei Monate filmreif. In einfühlsamen Anmerkungen erklärte Mennan mir, warum meine Groteske noch nicht ganz so filmreif war, wie ich dachte. Ich schrieb eine neue Version.

So ging es acht Mal hin und her. Figuren starben, aus Tick, Trick und Track wurde Daisy, aus Mord wurde Kuß und aus Shanghai Bottrop. Ich lernte, worauf es bei Drehbüchern ankommt.

Und Mennan lernte, wie man mit dünnhäutigen Romanciers umgeht: Sag ihnen, eine ihrer Nebenfiguren sei von Tarrantino geklaut, die Spannungskurve gehe nach dem Plot Point in Akt II auf Talfahrt, ihre barocken Kulissen würden mindestens eine Millionen Euro Fördergelder verschlingen, alles kein Problem. Aber laß dir niemals anmerken, daß du einen Kommafehler auf Seite 25 entdeckt hast. Das ist, verdammt noch mal, nicht dein Job!

Nach einem Jahr lag schließlich ein Drehbuch-Treatment vor, das sowohl dem Regisseur als auch dem Autor gefiel. Von diesem Treatment und all seinen Vorgänger-Versionen habe ich mich zu dem Roman "Die reinen Herzen" inspirieren lassen.

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