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Meine Jahre in Oxford

5:15 Uhr in der Früh. Die eisige Gischt spritzt über den Bug und uns ins Gesicht. "Gut gegen Deinen Whiskey-Schädel", sagt der Earl of Wombat. Altschottischer Hochlandadel.

Unser knarzender Zweier zieht an den alten Gemäuern von Oxford vorbei. Mehr Brücken als Duisburg-Süd.

Eigentlich soll ich hier für ein Semester studieren. Aber Earl Wombat hat mich in einen elitären Geheimclub eingeschleust. Die Bibliothek ist noch schöner als die alte SPIEGEL-Kantine.

Scroogeweazel, unser Logen-Ältester, hat uns eine Aufnahmeprüfung auferlegt: Wir müssen Banksy finden. Er soll sich hier irgendwo in eine vergessene Katakombe zurückgezogen haben, um sein künstlerisches Vermächtnis zu schaffen. Denn Banksy leidet an Crocodile-Sucht. Die Todesdroge aus den Underground-Laboren Odessas.

Der geheimnisvolle Sprayer will die alte Katakombe in eine neue Sixtinische Kapelle verwandeln. Das hat Schirrmacher Markwort gesteckt. Es heisst, Banksy wird alles verarbeiten, was er über 9/11 weiss. Scoop!

Aber ich komme einfach nicht zu dem Banksy-Scheiss. Seit einem halben Jahr hat mich Sergei, der kasachische Oligarchen-Spross, in die Cagefight-Szene von Harvard gezogen. Das Kämpfen ist wie ein Rausch.

Ich glaube, jetzt kann mich nur noch Penny retten. Wombats Zimmermädchen. Wir wollen zusammen durchbrennen. Penny hat einen Plan, wie sie Oxford aus meinem Kopf und Penny reinbringt: Ein Jahr ins Shaolin-Kloster. Oder soll ich doch lieber Kieser-Training bei der 'Ndrangheta machen?

Voting morgen ab 17:00 auf SPIEGEL online.

Alain de Botton: Living Architecture

Früher tranken Philosophen wenigstens noch den Schierlingsbecher, erdrosselten ihre Frau, wurden schier verrückt und küssten Pferde während der Passeggiata.

Der Philosoph Alain de Botton lässt Star-Architekten schöne Ferienhäuser bauen.

Interview mit Kabarettist Serdar Somuncu: "Erdogan tut alles dafür, im Knast zu landen" (stern)

Herr Somuncu, erklären Sie uns Recep Tayyip Erdogan.

Beginnen wir mit einer Allegorie. Ich mähe gleich Rasen.

Elektrischer Sitzrasenmäher?

Nein, Benzin-Motor. Es muss laut sein und stinken.

Öl, Benzin, Krach: Das muss das proletarische Erbe des Gastarbeiterkindes sein.

Ich liebe Rasenmähen. Bin ich da nicht urdeutsch? Mein größter Feind ist der Maulwurf. Der Maulwurf symbolisiert Erdogan. Er gräbt sich von unten in den deutschen Rasen. Der Rasen ist die Demokratie. Die gewachsene Demokratie. Und er baut sich so einen Gang unter dem Rasen. Zwischendurch kommt er raus, weil er keine Luft mehr bekommt. Ist aber so ein Schisser, dass er sich sofort wieder versteckt.

Ist Erdogan verrückter Diktator oder kluger Stratege?

Erdogan denkt nicht, dass er Diktator ist. Er denkt, er kämpft gegen eine unsichtbare Staatsmacht. Er ist Revolutionär. Er denkt, er sei gerade aus dem Knast rausgekommen und müsste verhindern, wieder reinzukommen. Aber er tut letztendlich alles dafür, dass er irgendwann wieder dort landet. Auch Erdogans Außenpolitik ist so. Er legt sich an mit Putin, er legt sich an mit den Amerikanern, er legt sich an mit Europa. Und in dem Moment, da er merkt, dass er zu weit gegangen ist, zieht er sich zurück und wartet ab.

Welchen Plan verfolgt Erdogan?

Er befürchtet, dass das Referendum zu seinen Ungunsten ausgeht und er die Macht verliert. Er befürchtet, dass die Eliten in der Türkei aufständisch werden. Das würde einen Bürgerkrieg bedeuten. Deswegen aktiviert er seine stärkste Bürgerwehr außerhalb der Türkei, nämlich die in Deutschland und Europa lebenden Türken, um sie auf seine Seite zu ziehen. Dabei riskiert er einen Bürgerkrieg in Deutschland.

Sie übertreiben.

Stellen Sie sich vor, es stirbt nur ein Türke in Deutschland, ein AKP-Anhänger oder ein Nicht-AKP-Anhänger in einem innertürkischen Zwist. Wir hätten in einer Woche Krieg. Erdogan geht ans Limit. Er provoziert, dass die Situation eskaliert.

Vollständiges Gespräch auf stern.de