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Ferdinand von Schirach im Gespräch: "Das Dunkle ist in uns allen"

Herr von Schirach, in Ihrem Theaterstück "Terror" kapert ein Terrorist eine Lufthansa-Maschine und steuert sie auf die voll besetzte Allianz Arena. Ein Kampfpilot widerspricht den Befehlen seiner Vorgesetzten und schießt die Passagiermaschine eigenmächtig ab. Der Pilot kommt vor Gericht. Am Ende des Stückes lassen Sie den Zuschauer über das Urteil abstimmen. So wird das auch in der Fernsehadaption des Stückes sein. Wie ist Ihr Urteil?

Es geht nicht um mich, es geht um die Zuschauer. Das Stück ist offen, wir stehen vor einem moralischen Dilemma. Vieles spricht für einen Freispruch. Der Pilot trägt eine ungeheure Last, er ist kein Krimineller, sondern will das Richtige tun. Trotzdem würde ich ihn verurteilen.

Muss er nicht 164 Menschen opfern, um 75.000 zu retten?

Das genau ist die Frage. Können wir zulassen, dass der Staat Leben gegen Leben aufwiegt? Verraten wir damit nicht, was uns ausmacht?

Was verrät derjenige, der wenige Menschen tötet, um viele zu schützen?

Unsere Verfassung beginnt mit dem Satz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Jeder Mensch ist unendlich wertvoll. Es gibt keine Abwägung. Das sind die Prinzipien, nach denen wir leben.

Vollständiges Gespräch auf stern.de

PORTRAIT: Ronald Schill - Vom Hamburger Rathaus in die RTL-Nacktkuppelshow "Adam sucht Eva"

1,95 Meter groß ist der neue Adam und 90 Kilo schwer. Geduckt tigert Ronald Schill über den Kölner Domplatz - ausgerechnet Domplatte. Der Mann, der einmal Hamburger Innensenator und Zweiter Bürgermeister war, lebt eigentlich in einer Favela in Rio de Janeiro. Nun ist er aber in Köln, wo er PR für die RTL-Nacktkuppel-Show "Adam sucht Eva" macht. In Schills Rücken türmen sich über 750 Jahre christliches Abendland, rußschwarz. Hoch oben im Dom leuchtet ein Gerüst. Es sieht aus wie ein anatomisches Stützkorsett.

Der Instinktpolitiker wittert einen Auftritt: "Von diesem Platz gingen Anfang des Jahres Breaking News hinaus in die Welt. In der Silvesternacht wurden zahllose Frauen von Migrantengruppen belästigt. Ich war überrascht, dass die deutschen Medien darüber fast eine Woche kein Wort verloren."

Er schaut maliziös. Man spürt: Manchmal möchte er am liebsten gleich wieder losziehen, von Platz zu Platz, Megaphon in der Hand, auf Stimmenjagd. So wie damals, 2001, als er mit seiner "Partei Rechtstaatlicher Offensive" aus dem Stand 19,4 Prozent geholt hat. Pegida, AfD - in diesen Wassern könnte er mühelos fischen. Würde er nicht gern mitmischen bei Petry & Co? "Im Ernst? Ich bin es gewöhnt, in erster Reihe zu stehen", sagt er. "Ganz oben. In einer Partei, die meinen Namen trägt."

Blaues Wildlederjackett, Jeans, ausgetretene Segelschuhe, Radkuriertasche. Federnder Schritt, müde Augen. Er steuert auf ein Lokal am Rheinufer zu, Blick auf die Hohenzollernbrücke. Früher hat er drüben im Hyatt gewohnt. Fünf Sterne, toller Blick auf Dom und Rhein. Heute, wo er selbst zahlen muss, kommt er am Stadtrand bei einem Freund unter. Schill bestellt Schweinshaxe und eine große Cola.

Herr Schill, Sie waren einmal Zweiter Bürgermeister der stolzen Hansestadt Hamburg. Jetzt treten Sie bei einer Nacktkuppelshow im Trash-TV auf. Was ist passiert?

Vollständiges Porträt auf stern.de