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Kathrin Schmidt: "Seebachs schwarze Katzen" (SZ)

Der Stasi-Strizzi

Kathrin Schmidt erkundet die Alchemie der Psyche: "Seebachs schwarze Katzen" (SZ, 03.02.06)

Es gibt exakt zwei Sorten Männer: Die einen können durchaus auch mal in Ruhe in einer stillen Bibliotheksecke sitzen und lesen. Die anderen würden im erotischen Magnetfeld der Bibliothekarin niemals zur Ruhe kommen, könnten nicht ein einziges Wort entziffern und würden nur noch davon träumen, die Herrin der Bücher zu durchblättern. Der triebstarke Bert Willer gehört zur letzteren Sorte. Zu DDR-Zeiten heuert die Stasi den talentierten Verführer an. Natürlich haben die Geheimdienstler für so etwas ihre Tricks. Gänzlich schuldig für sein kaputtes Leben ist Bert Willer nicht. Das ist in Kathrin Schmidts neuem Roman niemand. Willer ist ein homme à femmes, er hat das gewisse Etwas, das regimekritische Frauen in die verwanzten Kissen sinken läßt. Er setzt seine Verführungskünste für den Klassenkampf ein, er ist der Stasi-Strizzi. Er betrügt seine kluge Frau Lou mit zahllosen Oppositionellen, die er aushorcht und mürbe streichelt. Eines seiner Lieblingsopfer ist Bejla, die "kleine Psychologiestudentin mit den literarischen Ambitionen."

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