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Roger Willemsen: "Kleine Lichter" (FR)

Und ewig blutet der Affenbrotbaum

Roger Willemsen und die Liebe: "Kleine Lichter" (FR, 13.07.05)

Ach Gott, ja, Dings, die, äh, Bums, die Liebe. Bei Roger Willemsen ist Themenabend, und es geht nicht um die Moorfledermaus, sondern um die allseits beliebten, flauschigen Wollmäuse im menschlichen Gefühlshaushalt, das Auf und Ab der Liebe, die Fahrpläne, Starts und Landungen all der Flugzeuge in unserem Bauch, uh yeah, ich bau dir ein Schloß aus Sand.

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Yann Martel: "Die Hintergründe zu den Helsinki-Roccamatios" (SZ)

Der Scheherazade-Trick

Yann Martel packt Fleisch aufs Erzählskelett: "Die Hintergründe zu den Helsinki-Roccamatios" (SZ, 11.07.05)

2003 konnte man von Yann Martel den Roman „Schiffbruch mit Tiger“ lesen. Schiffbruch mit was? Tiger? Nicht im Ernst, oder? Die gewagte Konstellation des Romans klingt wie eine übermütige Wette des Autors. Nun verdankt die Literaturgeschichte ihre schönsten Bücher übermütigen Autorenwetten. Wetten, ich interessiere meinen Leser für einen hypersensiblen Pädophilen? „Lolita“. Wetten, ich stopfe einen gut Teil der abendländischen Kultur in einen einzigen Dubliner Werktag? „Ulysses“. Wetten, ich bekomme zwischen Zeugung und Geburt meines Helden mehr als zweihundert Abschweifungen? „Tristram Shandy“.

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Roddy Doyle: "Rory & Ita. Eine irische Geschichte" (SZ)

Die O’Mustermanns

Roddy Doyles Eltern erzählen ihre irische Lebensgeschichte: "Rory & Ita" (SZ, 02.07.05)

Was suchen wir in Irland und irischer Memoirenliteratur? Wahrscheinlich den würzigen Torfgeruch, das Klappern der Milchkannen morgens um halb fünf, wenn schmatzend das Moor erwacht und die Gesänge der zähen Freiheitskämpfer über der Dublin-Bay erklingen. Wir suchen vierzehnköpfige Familien, die jubelnd und frei von jeglicher Existenzangst ihr dreizehntes Kind willkommen heißen und vor lauter Freude und Dankbarkeit noch den gichtkranken Großvater der Nachbarin oben in ihrer kleinen Dachkammer unterbringen. Gefangen in unserem deprimierenden BRD-Labyrinth aus Fußgängerzonen, Umgehungsstraßen, Waldorfparkhäusern und überquellendenden Altersheimen sehnen wir uns seit Heinrich Bölls „Irischem Tagebuch“ nach einem Inselreich der Ursprünglichkeit und der existentiellen Dringlichkeit, wo sogar aus dem bärtigen Mund des Kneipenbarden noch das Weltorakel spricht. Wir suchen in Irland die Asche unserer Mutter, unserer lieben, großen Urmutter, die uns etwas Geborgenheit gibt in ihrem sattgrünen Inselpubgroßfamilienuterus.

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