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Leander Scholz: "Fünfzehn falsche Sekunden" (FR)

Der alte Klo-Trick

Uaahhh! Shocking: "Fünfzehn falsche Sekunden" von Leander Scholz (FR-Literaturbeilage, 18.03.05)

Dabei ist die Sachlage erst einmal klar: Celeste ist für ein Jahr als Austauschstudentin in San Francisco, wo sie an so etwas wie einer Philosophie der Angst arbeitet. Während ihres Studienjahres stirbt erst ihre Mutter, dann ihr Vater. Das Verhältnis zu ihrer Schwester ist schwierig. Die junge Frau befindet sich in emotionalem Ausnahmezustand. Sie verliebt sich in ihren Nachbarn Christopher. Gemeinsam machen sie einen Ausflug in die Sierra, wo sie an einer heißen Quelle von unangenehmen Stechinsekten überfallen werden. Anschließend verschwindet Christopher spurlos. Die junge Frau macht sich auf die Suche nach ihrem Nachbarn, wobei ihre Nachforschungen von Anfang an eher passiv bleiben. Schon bald ist Celeste mehr Spielfigur in einem perfiden Komplott als eine Person, die noch fähig ist, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Ziellos läßt sie sich durch die immer rasanter werdenden Ereignisse treiben und wird dabei immer tiefer in rätselhafte medizinische Experimente mit dem menschlichen Bewußtsein verstrickt. Lakonisch schluckt sie alle Medikamente, die man ihr anbietet: „Ich bin gut im Schlucken von Tabletten.“

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Michael Wildenhain: "Russisch Brot" (SZ)

Hänsel, Gretel und die Teerpappe

Michael Wildenhain erzählt von der Liebe in den Zeiten der Passierscheine: "Russisch Brot" (SZ, 04.03.05)

Eine Westberliner Kindheit in den 60ern auf dem Abenteuerspielplatz der Weltgeschichte: Grenzübergänge, tote S-Bahnstationen, bröckelnde Bunker. Doch nicht nur vor der Tür wartet das Abenteuer. Auch die eigenen vier Wände beben vor Geschichte.

Familie Rößler führt ein Leben im Grenzland der Beziehungen. Mutter Inka hat ihre ganze Familie, ihre Freunde, und wer weiß, vielleicht auch ihren Liebhaber, drüben in der DDR. So lange die Grenze noch offen ist, trifft man sich regelmäßig in Großvaters Datsche im Ostberliner Schöneweide. Meist gehen nur Mutter und Sohn über die Grenze, denn der Vater ahnt, daß ihn dort drüben zwischen Nutz- und Blumenbeet vermintes Gebiet erwartet. Vater Rößler leidet an Bombensplittern aus dem Zweiten Weltkrieg, die ihm langsam aus dem Rücken wachsen. Mutter Rößler leidet am Dolch ihrer Jugenderinnerungen, der ihr langsam inwendig ins Herz wächst. Insgesamt gebärdet sie sich seltsam. Stellt rätselhafte Fotos auf ihren Nachttisch. Lacht an den falschen Stellen. Fällt plötzlich vor ihrem Bett auf die Knie und rezitiert Verse von fragwürdiger poetischer Qualität, die aber bis in die letzte Silbe aufgeladen sind mit sehnsüchtigen Anklängen an eine ferne Zeit. Schnell wird klar: Die Frau hat ein Geheimnis. Und von klein auf wird ihr Sohn Joachim diesem Geheimnis nachspüren.

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