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Iain Pears: "Scipios Traum" (SZ)

Popcorn, Cherry Coke und ein Sandalenepos

Iain Pears inszeniert einen Historienroman im Cinemascope-Format: "Scipios Traum" (SZ, 28.06.03)

Nach einem harten Tag ermüdender Kunstanstrengungen, nach regalübergreifendem hermeneutischen Großeinsatz und vier Trainingseinheiten zur Verfeinerung der ästhetischen Sinnesorgane darf den literarisch interessierten Zeitgenossen schon mal der Wunsch nach buntem Großleinwandspektakel in Dolby-C-Surround überkommen. Am schönsten ist das Vergnügen dann, wenn es in dem Monumentalschinken um bildungshungrige Ästheten, durchtrainierte Hermenteutiker und gebildete Feingeister in bildschöner Ferienlandschaft geht. Provence. Avignon, Vaison la Romaine, Aigues Mortes. Das Unterbewußtsein kramt schon nach dem Ferienhauskatalog. Ah, jetzt noch einen XXL-Sack gesalzenes Popcorn, zwei Kartuschen Pringles Sour-Cream und in jeder Armlehne eine eiskalte Cherry-Diet-Coke. Man versinkt im Plüsch, gemütlich quietscht der rote Samtvorhang zur Seite, noch ein letztes Mal die ewig kneifende Jeans zurechtgezupft, noch ein letzter prüfender Blick, ja, Diet-Coke. Es kann losgehen.

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Koen Brams (Hg.): "Erfundene Kunst. Eine Enzyklopädie fiktiver Künstler von 1650 bis heute" (SZ)

Mythico-Comico-Supersexy-High-Masala-Kunst

Eine "Enzyklopädie fiktiver Maler" von Koen Brams (SZ, 11.06.03)

Koen Brams, Direktor der Jan-van-Eyck-Akademie in Maastricht, hat zusammen mit 38 weiteren Enzyklopädisten die Weltliteratur durchkämmt und erfundene Maler aus Romanen befreit, um sie in ein Lexikon zu stecken. Nun sind über 280 widerspenstige Sonderlinge unter dem strengen Regiment des Alphabets vereint. Die geballte Macht der bildenden Kunst, gefiltert durch die geballte Macht der schreibenden Zunft. Genug Talente, um eine gähnend leere Himmelskuppel zu illustrieren. Aber auch genug Wirrköpfe, um sämtliche arbeitslosen Psychotherapeuten für eine gute Dekade zu beschäftigen. Meist reichen diesen Forschern des Absoluten die drei Dimensionen kaum aus: „Zu Coes Hauptwerk gehört eine Serie monumentaler Porträts in explosiv-kubistischem Stil, wobei der Porträtierte in dem Moment festgehalten wird, da sein Gehirn durch Kernspaltung zerplatzt – eine graue Rauchfahne symbolisiert die vierte Dimension.“

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