Skip to content

Tim Staffel: "Rauhfaser" (SZ)

Täglich lockt der Bildschirmschoner

Tim Staffel gleitet über Oberflächen: "Rauhfaser" (SZ, 11.01.03)

Paul ist Schriftsteller ohne Werk. Täglich lockt sein Bildschirmschoner. Umsonst. Paul schafft es nicht, ihn zu durchbrechen und den Raum dahinter mit Text zu füllen. Er hat Angst vor dem Sprung in die Sprachmatrix und ins Leben. Er igelt sich in der Rolle des unbeteiligten Beobachters ein. Die Medien werfen ein Leben aus zweiter und dritter Hand via Videobeamer an die Rauhfasertapete seiner Wohnung. Das Leben aus erster Hand spielt sich im Haus gegenüber ab: Dort zieht der schöne David ein, in den sich Paul sofort verliebt. Paul hat Übung im Fernsehen und Fernsehnen. Gerne nimmt der jüngere David Pauls Liebe entgegen, läßt sich eine väterlicher Hand aufs hübsche Haupt und hin und wieder sogar eine weniger väterliche auf den tätowierten Hintern legen, bleibt aber ansonsten nicht recht greifbar. Wenigstens nicht für Paul.

"Tim Staffel: "Rauhfaser" (SZ)" vollständig lesen

Eine schwarze Ruhrgebietserzählung (SZ)

Schlafgänger

Aus der SZ-Literaturreihe „Deutsche Landschaften“ (SZ, 04.01.03)

Am 16. Juli 1799 um neun Uhr morgens ging der preußische Bergbaubeamte Alexander von Humboldt in Cumana im heutigen Venezuela an Land, um den Flußlauf des Orinoko zu erkunden. Am 13. Juni 2002 um neun Uhr morgens machten wir uns auf, den Pleßbach zu erkunden, der die nördlichen Ausläufer des Bergischen Landes mit dem südlichen Ruhrgebiet verbindet. Es ist ein kleiner Bach, nirgendwo breiter als eine Schrittlänge, leicht zu durchwaten. Julia hatte Recht gehabt: Es war einfach gewesen, Ecki von der Expedition zu überzeugen. Jeder kannte ein Stück Pleßbach, aber niemand konnte seinen genauen Verlauf oder gar seine Quelle benennen. Und Ecki wollte immer alles genau wissen. Sollte er.

"Eine schwarze Ruhrgebietserzählung (SZ)" vollständig lesen