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Will Self: "Wie Tote leben" (SZ)

Im Hades ist die Hölle los

Will Self flucht aus dem Jenseits: "Wie Tote leben" (SZ, 24.10.02)

Lily Bloom ist Zynikerin, Kettenraucherin und tot. Aber das stört sie nicht weiter, denn das Leben ist nicht nur eine Plage, sondern auch nicht tot zu kriegen. Lily ist im Alter von sechsundsechzig Jahren an Krebs verstorben. Aber was heißt schon verstorben? Nach dem Tod geht eigentlich alles so weiter wie gehabt. Sartre irrte, das Spiel ist niemals aus. Das Totenreich erweist sich als ein grauer Londoner Vorort, in den man direkt vom Totenbett in einem Taxi chauffiert wird. Der Hades ist Suburbia, wo Spießer ihren shampoonierten Zerberus Gassi führen und sich nicht die Bohne dafür interessieren, ob sie selbst oder der neue Nachbar überhaupt noch leben. Beste Wohnlage für Zombies. Und das Schönste: Man kann nach dem Krebstod gleich weiterrauchen.

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Doris Dörrie: "Das blaue Kleid" (SZ)

Homo heult Hete auf die Tiefkühlpizza

Trauerkloß im Hals und im neunten Monat bedeutungsschwanger: Doris Dörris neuer Roman "Das blaue Kleid" (SZ, 07.10.02)

Und dann kommt dieser Satz. Das Leben ist ein überlanges Sommerrätsel, die Liebe ein gezinktes Rubbellos, alle Romanfiguren hocken nägelkauend im Labyrinth des Alltags und wissen weder ein noch aus. In ihren Mündern rollen triste Mantras: Macht das alles einen Sinn? Was ist der Tod? Woher kommen, wohin gehen wir? Wer hat von meinem Tellerchen gegessen? Und dann kommt dieser Satz: „Vielleicht wissen die Mexikaner mehr darüber.“

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