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Thekla Heineke & Sandra Umathum (Hg.): "Christoph Schlingensiefs Nazis rein" (SZ)

Christoph Schlingensief tanzt den Adolf Hitler: "Nazis rein / Nazis raus" (SZ, 29.08.02)

Im Frühling 2001 inszenierte Christoph Schlingensief am Zürcher Schauspielhaus Gustaf Gründgens Fassung des „Hamlet“ von 1963. Für das Stück engagierte er neben klassischen Schauspielern auch mehr oder weniger aussteigewillige Neonazis. Der Ansatz war gewagt: deutsche Neonazis werden in die neutrale Schweiz exportiert, um dort durch therapeutisches Theaterspielen wieder resozialisiert zu werden. Oder sollte doch eher die Gesellschaft resozialisiert werden? Schlingensiefs Dramaturg Carl Hegemann war begeistert: „Die Schweiz liefert dafür ein günstiges Umfeld. Denn hier wurden keine Juden vernichtet, gibt es keinen offenen Rassismus und alles wird vorblildlich mit Geld geregelt. Vor dem Geld sind alle gleich.“

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Jamal Tuschick: "Kattenbeat" (NZZ)

Äppelwoi-Bohème

Jamal Tuschicks Prosaband "Kattenbeat" (NZZ, 29.08.02)

„Kattenbeat“ lautet das Losungswort einer lockeren Bruderschaft von jungen Männern. Ihr Aktionsradius umfaßt drei Städte. Jeder Teil von Jamal Tuschicks Prosaband widmet sich der Perspektive eines Logenbruders: Kran in Kassel, Teichmann in Göttingen, Koller in Frankfurt. Die drei Städte markieren ein Bermuda-Dreieck des Erwachsenwerdens. In dieser Gefahrenzone gehen die Männer ihren Ritualen nach. Sie trainieren Kampfsport, trinken Alkohol, kaufen Liebe oder lassen sie sich schenken. Die Jungs sind Diskurs-Scharwenzler, Döner-Buden-Samurais, Ticketabreißer, Rotlichtkojoten, lonely, God damned lonely Drifter. Sie erforschen die komplizierten Gesetze der Lässigkeit. Dabei helfen ihnen weich abgefederte Autos mit heruntergekurbelten Seitenfenstern, Zigaretten und eigensinnige Frauen.

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Hans Arp: "ich bin in der natur geboren. Ausgewählte Gedichte" (SZ)

Palastaufstand des Zeugs

Eine Auswahl von Hans Arps Gedichten: "ich bin in der natur geboren" (SZ, 07.08.02)

In einem seiner Gedichte gibt der Zürich-Dadaist Hans Arp Atelierauskunft: „Meine Schraubstöcke sind voller Eier.“ Gewiß: Rohe Eier, so sensibel wie eine Piranha-Schwimmblase voller Nitroglyzerin; Soleier, mariniert vom Salz des Sargassomeeres, wo sie in mobilen Aallaichintarsien gedümpelt haben, vierzig Jahre lang, keinen Tag weniger; Wachteleier und Wichteleier; hartgekochte Eier, so hart, daß sie kaum mehr vom hermetischen Stein des Weisen zu unterscheiden sind; Windeier, in denen Sandstürme rütteln, und hier und da rieselt Wüstenstaub durch die porösen Schalen wie aus einem Salzstreuer; Eier, in denen Hennen neue Eier ausbrüten, in denen wieder Glucken hocken und brüten bis in alle Ewigkeit, amen; das Ei des Kolumbus, in dem es schwippt und schwappt wie im Innern eines Flüssigkompasses; Straußeneier, in die ein ganzer Dichtereierkopf paßt; und Eier, aus denen plötzlich ein Pfau hervorbricht und sein prächtiges Rad voller schneeweißer Eiermotive weit über die Werkbank des Künstlers spreizt und dabei hysterisch kreischt, denn seine linke Kralle steckt noch im Schraubstock des Dichters.

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