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Liza Marklund: "Paradies" (Literaturen)

Fahrtenschwimmer durchs Tal der Tränen

Liza Marklunds Krimi "Paradies" (LITERATUREN, 7-8/2002)

Also noch ein schwedischer Krimi. Bald wird man eine ganze Ladung zusammen mit dem Regal Billy zum Aktionspreis bei Ikea kaufen können. Annika Bengtzon ist Journalistin beim Stockholmer Abendblatt, einer Tageszeitung mit bedrohlicher Nähe zum Boulevard. Sie kämpft sich durch Nachtschichten und aus dem Takt geratenen Biorhythmus und wartet auf die große Story, die sie zur anerkannten Reporterin machen wird. Die Story läßt nicht lange auf sich warten und macht Annika zur Reporterin und Liza Marklund zur neuen schwedischen Bestseller-Autorin.

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Marcel Theroux: "Wer war Patrick March?" (FAZ)

Reif für die Insel

Marcel Theroux' biographische Scharade "Wer war Patrick March?" (FAZ, 25.07.02)

Damien March ist fünfunddreißig und hat in der Halbzeit seines Lebens die Partie schon fast aufgegeben. Nachts schreibt er beim BBC kurze Texte, mit denen der Moderator die eigentlichen Nachrichtenmeldungen und Reportagen einleitet. Er verfaßt immer nur Vorworte zum täglichen Geschehen. Sein Leben kommt aus dem Ticker, nachts um halb drei, wenn ganz London schläft. Die ewigen Nachtschichten zehren an Damiens Energiereserven, die Karriereleiter hat er schon lange in die biographische Abstellkammer verstaut, seine Freundin hat ihn irgendwann verlassen, eine kleine Kurzmeldung im Lebenslauf, irgendwo unter der Rubrik „Vermischtes“. Ein bißchen Human Touch, nicht zu viel. Doch irgendwann im Leben eines Nachrichtenmannes muß die große Meldung kommen, die unverhofft allem eine neue Bedeutung gibt. „Patrick tot, Vater“ ist die Information, die Damien Marchs Welt verändert. Der Tod seines Onkels Patrick March weckt bei Damien Kindheitserinnerungen und reißt ihn aus dem Alltagstrott.

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Barbara Bongartz, Alban Nikolai Herbst: "Inzest oder Die Entstehung der Welt. Roman in Briefen" (NZZ)

Gefährliche Brieffreundschaft

Barbara Bongartz und Alban Nikolai Herbst tändeln: "Inzest oder Die Entstehung der Welt" (NZZ, 23.07.02)

Die Zeitschrift für Literatur „Schreibheft“ hat sich als Forum für experimentierfreudige Texte einen ausgezeichneten Ruf erworben. Anläßlich ihres 25-jährigen Bestehens hat der entdeckungslustige Herausgeber Norbert Wehr zwei Autoren zu einem Briefwechsel angeregt, den er in der Jubiläumsausgabe des Literaturmagazins als Briefroman veröffentlicht. Mit Barbara Bongartz und Alban Nikolai Herbst hat Norbert Wehr zwei bekennende Manieristen gewonnen, die an der durchlässigen Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion operieren.

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Bruno Richard: "Desaster" (SZ)

Die Floppy der Pandora

Bruno Richard hat Jahrtausendprobleme: "Desaster" (SZ, 16.07.02)

In der Regel thrillt die deutsche Literatur nicht besonders. Hier der halbherzige Tod eines seit Jahren überflüssigen Kritikers, dort ein experimentelles Muttersterben. Aber keine wirklich ernsthaften Bemühungen um effizientes Spannungsmanagement, glühende Wangen und feuchte Hände. Was fehlt, sind zum Beispiel gut ausgebildete Profikiller aus der ehemaligen russischen Eliteeinheit Speznaz, die mit sibirischem Permafrost im graublauen Blick ihre matt schillernden Präzisionsgewehre auf zugigen Parkdecks zusammenstecken, um obskuren Mittelsmännern das Monogramm in der Brusttasche des gestärkten Oberhemds sauber zu perforieren. Es wird zu wenig professionell gemordet in deutschen Romanen.

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Aris Alexandrou: "Die Kiste" (SZ)

Wahrheit, Version 6.1

Aris Alexandrous komplexer Roman über den griechischen Bürgerkrieg: "Die Kiste" (SZ, 04.07.02)

Im griechischen Bürgerkrieg von 1946 bis 1949 kämpfen die kommunistischen Partisanen nun nicht mehr gegen die deutsche Besatzungsmacht, sondern gegen die Armee der rechtsgerichteten Regierung und der ehemaligen Kollaborateure. Der Untergrundkampf geht weiter, doch der Feind kommt aus dem eigenen Land. Die Konspiration nimmt kein Ende. Das Oberkommando der Partisanen stellt aus Freiwilligen ein hochgeheimes Selbstmordkommando zusammen, das die entscheidende Wende im Kampf gegen die Regierungstruppen herbeiführen soll. Vierzig Mann werden als Bauern verkleidet - Drillichhosen und Schnabelschuhe aus Schweinsleder - und auf geheime Mission geschickt.

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