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Olaf Müller: "Tintenpalast" (FR)

Ich hatte einen Tintenpalast in Afrika

Olaf Müllers afrikanische Impressionen: "Tintenpalast" (FR, 18.10.00)

Die junge deutsche Literatur hat ihren Weltempfänger auf 1350 kHz Fernweh getunet. Marcus Braun schreibt von Indien, Michael Roes aus Arabien und Nordamerika, Christian Kracht neuerdings aus Asien und Olaf Müller jetzt von Afrika.

In Henry Magdaleni wütet Pubertät und Existenzverdruß. Die Welt ist ihm zu klein, vor allem aber sein Heimatdorf Blubars in der ehemaligen DDR. Der Angry Young Man sucht das Abenteuer und findet es als Stasi-Spitzel. Ihm ist dabei nietzeanisch zumute. Nihilist ist er sowieso. Und da dem Mann auch entschieden nach Bohème ist, bugsiert er seine vermeintlich geheimnisumwitterte Gestalt durch die Hinterhof-Szene des Prenzlauer Berges. Vor allem aber schreibt er. Neben seinen IM-Berichten entwirft sich Magdaleni eine Gegenwelt, die er in einem Konvolut festhält, seinem „Tintenpalast.“

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Philip Kerr: "Der zweite Engel" (FAZ)

Der gottverdammte Parietallappen

Philipp Kerrs Science-Fiction-Thriller "Der zweite Engel" (FAZ, 07.10.00)

Kaum hat das 21. Jahrhundert begonnen, läßt Philipp Kerr es auch schon wieder enden. Und wie: Das tödliche Virus P2 hat 80 Prozent aller Menschen befallen. Nur ein kompletter Blutaustausch verspricht Heilung. Gesundes Blut wird zum höchsten Gut: der Liter kostet 1,5 Millionen Dollar, zzgl. Ökosteuer. Die Privilegierten und Gesunden haben Blutbanken angelegt, aus denen sie sich in schlechten Zeiten bedienen können. In guten treiben sie einträglichen Handel mit dem roten Gold. Die Mittellosen und Infizierten leben in den miasmatisch-feuchten Matratzengruften der heruntergekommenen Vorstadt-Ghettos. Wer hier nach Einbruch der Dunkelheit zu sehr nach Rotbäckchen aussieht, wird „gevampt“.

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