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Erzählung: Berlin Savignyplatz (taz)

Görlitzer Bhf, Berlin (Foto: Maus)

Die BVG steht in direktem Kontakt zu Gott. Und das geht so:

In Berlin ist Tauwetter, nur die Ampelschaltungen sind noch zugefroren, also gehe ich bei Rot und ganz unkategorischem Imperativ über die Kantstraße, Richtung Savignyplatz. Unter den S-Bahnbögen hat ein luxuriöses Beleuchtungsgeschäft seine Lampen aufgehängt, und als ich dran vorbeigehe, stürzt ein Verkaufspersonal auf die Straße, und ich denke schon, der nimmt mich jetzt fest. Solche Leute nehmen Lampen und Ampeln bestimmt furchtbar ernst. Ich nehme Anagramme auch sehr ernst. Aber der Herr verschwindet über knirschendes Granulat huschend irgendwo im Dekor.

Versunken in meine Innenwelt, in der zwar auch gerade Tauwetter herrscht, aber noch überall etwas schäbige Streuguthaufen herumliegen und die Ampeln noch auf Rot stehen, erklimme ich die Treppen zum S-Bahnsteig. Auf dem ersten Absatz schnorrt es mir entgegen: "Du, hasse mal ´ne Mark?" Ein Satz, der mir bekannt vorkommt. Ich bin ein geiziger Mensch, und nur sehr überzeugend getragene Lumpen können mir Maut entlocken. Ich schaue auf, sehe Dock Martins, Levi´s und eine schön aufgeblähte Bomberjacke. Gesamtetat also so um die 600 Schleifen.

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