Ja, so eine Überschrift wollte ich schon immer mal haben. Dafür erwies sich der französische Philosoph Raphaël Enthoven als richtiger Mann. Er empfing mich in seiner Pariser Dachwohnung im 14. Arrondissement, hinter dem Cimetière Montparnasse.
Enthoven und seine Frau aßen gerade zu Mittag. Nachdem ich gebeten wurde, mich zu ihnen an den Tisch zu setzen, fragte mich seine Frau, für welches Blatt ich arbeite. "Stern?" Kenne sie nicht. "Was, kennst Du nicht?", fragte Enthoven mit theatralischer Verve. "Das ist eine Mischung aus 'Express' und 'Paris Match'." Eine bessere Beschreibung des "stern" hatte ich noch nicht gehört. Und etwas später ermöglichte sie mir eine willkommene Überleitung:
Nachdem ich geduldig Enthovens philosophischem Propädeutikum gelauscht hatte, wollte ich endlich Bruni-Tratsch hören. Schließlich würde man mir in Hamburg ordentlich den Marsch blasen, wenn ich ohne saftige Bettgeschichten zurück kommen würde. Also unterbrach ich den Philosophen mit den Worten: "Okay, den Teil 'Express' haben wir jetzt hinter uns gebracht. Kommen wir zum Teil 'Paris Match.'"
Dann folgte ein memorables deutsch-französisches Zweikampf: Ich wollte Klatsch, Enthoven verschanzte sich immer hartleibiger hinter philosophischen Exkursen. Ganz neuer Aspekt der Geisteswissenschaften: Philosophie als Anti-Paparazzi-Firewall. Das Ergebnis des Duells erschien als Porträtgeschichte im "stern" (Heft 12/2009) und findet sich auch unter folgender Internetadresse:
Der Mann, der Carla Brunis Liebesteufel war (stern.de)