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Reisebericht aus Tromsö, Nordnorwegen

Palmen über dem Polakreis

Norwegen hält zahllose malerische Fischerdörfchen, tüchtige alte Hansestädte und rustikale Bauernsiedlungen auf mäuseabweisenden Hochstelzen für den Amateur-Videofilmer bereit. Wollig lockt der traditionsbewußte Norwegerpulli, zünftig knarzt der Kornspeicher im Freilichtmuseum, grimmig segeln die alten Stabkirchen mit ihren drachenköpfigen Galionsfiguren durch die wikingerfreie Gegenwart, mumiengleich muffelt der Dorsch auf seinem hölzernen Trockengestell vor sich hin. Hinreißende Wasserfälle lassen ihre Gischt auf die Windschutzscheiben ungezählter Wohnmobile wehen. Eitle Dörfer betrachten seit Jahrhunderten ihr Spiegelbild im kristallklaren Fjordwasser. So träumerisch das Dorf dort unten im Tal, so meditativ das Kirchlein dort hinten auf dem Schärenrücken. Irgendwann muß hier jemand seinen Malerpinsel gegen eine schlachtfrisch tropfende Ochsenhälfte ausgetauscht haben, und plötzlich erstrahlte ganz Skandinavien in Ochsblutrot. Alles so unbeschreiblich schön hier! Manchmal denkst du, du bist im Naturschutzpark von Legoland. Ist das Moospolster dort echt, oder kommt es aus dem Märklin-Katalog?

Hat der Reisende irgendwann genug von all den potentiellen Künstlerkolonien, idyllisch getarnten Touristenfallen und dem ganzen hochdekorativ gestrickten Norwegerpulli, dann fülle er seine Thermoskanne mit starkem Kaffee, lege den höchsten Gang ein, schalte die Speedcontrol ein, aktiviere den Elchradar, drehe die Rückenlehne zurück und fahre nach Norden; über den Polarkreis, willkommen auf der Nordkalotte, Taiga wird zur Tundra, immer höher, Tanne wird zur Krüppelbirke, weiter, Fuchs wird zum Polarfuchs, höher, Moose, Flechten, Alpenblumen, nördlicher, drei Uhr nachts, die Sonne scheint immer noch im Rückspiegel, ein Gletscher kalbt im Außenspiegel, vorbei an den Lofoten, schau, am obersten Ende der Nahrungskette zieht ein Fischadler seine Kreise, fahr weiter, immer weiter, vorbei an den Vesterålen, horch auf den Schrei der Dreizehenmöwe - die klagenden Seelen aller ertrunkenen Kabeljaufischer -, weiter, hinaus über den Erzhafen Narvik, vorbei an der Insel Senja, die Du schnell wieder vergessen sollst, denn sie soll unberührt bleiben, weiter, immer weiter, bis ins Herz der Finnmark, nach Tromsø.

Tromsø liegt so weit im Norden, daß Kälte, Wind, Schnee und Eis alle Idylle im Lauf der Jahrhunderte weggefegt haben. Wer diesem Ort gerecht werden will, muß seinen Wortschatz lange ins Freie stellen, bis er ausreichend erodiert ist, ausgewaschen und moosbewachsen. All die tausend Kilometer haben sich gelohnt: Endlich greift das Wort „malerisch“ nicht mehr. Hier ist es nur noch wuchtig. Der Bewuchs in dieser Landschaft ist so karg, daß die Stadt eine tolerante Unkrautpolitik betreibt. Die mannshohe und sehr raumgreifende Herkulesstaude wurde mit trotzigem Exotismus kurzerhand in Tromsøpalme umgetauft und schmückt nun jeden unversiegelten Winkel der Stadt. So entsteht in der kurzen Sommerzeit das kuriose Bild einer dschungelartig verwucherten, ewig taghellen Stadt inmitten einer nackten Felslandschaft.

Tromsø liegt zwischen imposanten Bergmassiven auf der Insel Tromsøya im Tromsesund. Wolken und Berge konkurrieren um die interessantesten Silhouetten. Alpine Inseln schützen die Stadt vor den Launen der offenen See, die schon zahllose Walfischfänger kommentarlos verschluckt hat. Wie eine Treibeisscholle liegt die Stadt im Nordpolarmeer, nur durch zwei lange, sehr elegant geschwungene, aufregend vibrierende Brücken am Festland und an der großen, schönen Insel Kvaløya befestigt. An Tromsøyas Südspitze findet man eine Telegraphenstation von 1894, die dort scheinbar nur noch steht, um das schöne Panorama mit den schneebedeckten Bergen ins etwas öde Stadtzentrum zu telegraphieren. Im Norwegischen spricht man die Stadt Trummsö aus, und dieses geologische Klangbild kommt dem Landschaftsbild sehr nahe: die Sicht ist verstellt mit riesigen Felstrummen.

Murmansk ist hier näher als Oslo. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es den sogenannten Pomorhandel, den Küstenhandel mit den russischen Schiffern. Die russischen Seefahrer verkauften ihr Proviant an die norwegische Küstenbevölkerung, die besonders am russischen Roggenmehl interessiert war, denn Tromsø liegt am Getreidegürtel, oberhalb dessen kein Korn mehr wächst. Heute liegen im Hafen nur noch russische Fischtrawler, von denen man nicht genau weiß, ob sie von der strengen norwegischen Kystvakt wegen Fahruntauglichkeit konfisziert wurden oder in sehr verborgenen Morgenstunden immer noch in die reichen norwegischen Fischgründe verschwinden. Der Reisende darf von Wodka- und Kaviarschmuggel träumen, von zwielichtigen Gestalten, die in den Morgenstunden Ikonen gegen Wikingerschmuck austauschen. Doch man sieht die Trawler nie ablegen. Träge dümpeln sie am Kai, röcheln tuberkulös aus ihren Tiefen und husten alle halbe Stunde schwarzes Wasser aus einem Loch in ihrem fleckigen Rumpf. Diese Rosthaufen werden nur noch zusammengehalten von der vagen Idee an den Kommunismus, die in den Falten einer alten, sowjetischen Fahne irgendwo unten in einem der Maschinenräume schlummert.

Die russischen Trawler müssen schon so lange im Reich von Väterchen Frost und Brüderchen Rost vor Tromsø ankern, daß ihre russische Ästhetik langsam auf die Stadt abgefärbt hat. Neben den älteren, typisch norwegischen Holzhäusern findet sich vor allem moderne Klotzarchitektur, die sich am Stil sowjetischer Parkhäuser zu orientieren scheint und den Sexappeal leerstehender Fischfabriken ausstrahlt. Doch meist sind es Hotels. Die Parkhäuser selbst hingegen können hier sehr innovativ sein: wegen der Insellage, der extremen Witterung und der Bergigkeit ist ganz Tromsø von einem gigantischen Tunnelsystem unterhöhlt, das ungefähr die Ganglienbahnen des Dr. No nachzeichnet. In diesem Tunnellabyrinth gibt es mehrere Kreisverkehre und Kreuzungen. In einem Seitenteil des Systems, im Areal von Dr. Nos abgelegten Gedanken, einem stillgelegten Tunnelstollen, kann man auch parken. Wer hier neben den tropfenden Felswänden parkt, kann sich eines frostigen James-Bond-Feelings nicht erwehren. Der oberste Stadtplaner muß ein Bergtroll sein. So würden auch Hobbits das Parkproblem angehen. Wer hier Dauerparker ist, kann nach einigen Jahren mit Stalagmiten als Kühlerfigur rechnen.

Insgesamt verströmt das polare Stadtbild einen leicht stalinistischen Asbestcharme, als wäre die sowjetische Epoche in diesem kalten Klima besonders gut konserviert worden. Tromsøs Architektur wird gewissenhaft dafür sorgen, daß es weiterhin mehr Postkarten von trollenden Robben, rückenschwimmenden Eisbären und Spitzbergens kristallinen Packeissymmetrien geben wird als von der Stadt selbst. Doch wenn im Sommer die Mitternachtssonne die Möwenbäuche lachsrosa einfärbt, profitiert die Stadt durchaus vom Tourismus: Täglich legt die Hurtigrute mit ihren dreitausend Rentnerregistertonnen an. Das alte Postschiff und schwimmende deutsche Altersheim mit Panoramafenster versorgt die Stadt mit ein paar Hundert zahlkräftigen Amateur-Video-Filmern, die sich offensiv vor geräuchertem Walfisch mit Pfefferrand gruseln, zur Beruhigung ihres aufgewühlten Gemütes Socken mit Elchmotiven kaufen und dem Norweger zeigen, welche Gore-Tex-Jacke in Kombination mit welchem Mephisto-Schuh gerade im Hochgebirge von Wanne-Eickel angesagt ist. Jeden Sommer werden die Touristen von psychotischen Möwen angegriffen, die entweder zu viel Hitchcock geguckt haben oder denen die ungewohnte Wärme ins arktische Gehirn steigt, um sie in saisonale Paranoia zu treiben. Von Einheimischen hört man, daß es den Möwenhirnen ab 5 Grad durchschnittlicher Tagestemperatur wieder besser gehe. Die Vögel verfügen mindestens über das Erregungspotential eines deutschen Hausmeisters. Beim Anblick dieser reizbaren Tiere stellt sich noch die Frage, warum ein Vogel, der sich ausschließlich von Pølsaresten, Knäckebrotkrumen und Eiswaffelkrümeln ernährt, überhaupt Schwimmhäute braucht. Irgendwann hatte die Evolution wohl Feierabend.

Ein Satz aus der Broschüre des örtlichen Touristenbüros lädt ganz besonders zum Träumen ein: „Die Nordlichtforscher der Universität Tromsø genießen weltweit hohe Anerkennung“. Wie muß man schwärmen in Kingston Town von den norwegischen Nordlichtforschern. Selbst in der jüngeren deutschen Literatur versucht man, der Nordlysforschung aus Tromsø Konkurrenz zu machen. So schreibt Judith Hermann in einer Erzählung, die in Tromsø spielt: „Ich flüsterte ´Was ist das denn?´, und Owen schrie ´Ein Nordlicht, Mann, das ist ein Nordlicht, ich fasse es nicht´, und wir legten die Köpfe in den Nacken und sahen das Nordlicht an, ins All geschleuderte Materie, ein Haufen heißer Elektronen, zerborstene Sterne, was weiß denn ich ´Und bist du jetzt glücklich?´ sagte Owen atemlos, und ich sagte ´Sehr´.“ Deutsche Romantik: Keine Ahnung von Physik, aber Hauptsache glücklich.

Außer Polarlichtforscher haben noch folgende Berufe ausgezeichnete Anstellungschancen in Tromsø: Motorschlittenmechaniker, Möwenkundler, Schneeschuhmacher, Angelhakenschmied und Trampolinhersteller. In den Gärten stehen unzählige Trampolins, die vielleicht eine gute Erklärung für das ausgeglichene Gemüt der Norweger sind. Hat der Vater mal einen furiosen Adrenalinschub, geht er eine halbe Stunde hüpfen, hat die Mutter Kopfschmerzen, hopst sie sich die Migräne weg. Das sorgt für harmonische Familien und bewundernswert freundliches Gesellschaftsklima. Ungeklärt muß die Frage bleiben, warum es in dieser Stadt so viele Rohrleger gibt.

Tromsø verfügt über die nördlichste Universität, die nördlichste Brauerei, die nördlichste Glasbläserei und den nördlichsten botanischen Garten. Im nördlichsten Rockcafe trinkt der Nordlichtforscher mit dem Polarforscher das nördlichste Bier der Welt. Dazu kreischt die Möwe immerzu ihr hämisches Lied. Bier ist nicht die einzige verfügbare Droge. Vom Wohnzimmerfenster meiner Gastgeberin aus sieht man auf die zwei stärksten Rauschmittelquellen der Stadt: Im rotgoldenen Licht der Mitternachtssonne oder umhüllt von wehenden Nebelfetzen lockt der Tromsdalstinden mit seinen 1238 Metern Höhe zu schwindelerregenden Gebirgswanderungen und zu langen Meditationen über die mobilen Lochmuster seiner abtauenden Schneefelder. Wer den Reizen der spektakulären Außenwelt und der Droge Natur nichts mehr abgewinnen kann, kann sich selbst hier oben noch problemlos eine Dosis Marihuana, Heroin oder Kokain kaufen. Sehr viel teurer als ein Gläschen frisch gezapftes Mack’s Øl kann das nicht sein. In einem abbruchreifen alten Holzhaus im Stile einer psychedelischen Villa Kunterbunt logiert die nördlichste Drogendealerin der Welt. Ein Schild am Küchenfenster mit der Aufschrift „Bin kurz duschen“ scheint die örtlichen Fahnder derart zu verwirren, daß die hyperboreische Drogenbaronesse unbehelligt ihrem schwindelerregenden Geschäft nachgehen kann. Die norwegische Drogenpolitik ist so tolerant wie die Unkrautpolitik. So kann man in goldenen Nächten verwirrte Süchtige zwischen den riesigen Blumenkohlköpfen der Unkrautpalmen nach ihrer täglichen Dosis suchen sehen. Die künstlichen Paradiese schlummern im Schatten einer undurchdringlichen grünen Hölle. Es sieht aus, als müßten sich die Süchtigen ihren Stoff direkt im Urwald des Medellìn-Kartells abholen. Und das alles unter dem nimmermüden Auge der Mitternachtssonne, im uralten Land der Samen und ihrer Schamanen.

Tromsø liegt in der Heimat der nordskandinavischen Nomaden, deren traditionelle Wanderrouten sich von der russischen Kolahalbinsel über Jämtland in Schweden bis in die norwegische Finnmark erstrecken. Die Samen leben vornehmlich von Rentierzucht, und wandert man durch die mächtige Berglandschaft der Umgebung, kann man mit ein bißchen Glück in den Höhen auf Rentierherden stoßen, die sich auf Schneefeldern den Bauch kühlen. Findet man sie nicht in den Bergen, kann man sie immerhin auf den städtischen Kanaldeckeln bewundern, in deren Mitte ein Rentier in stilisierter Silhouette eingeprägt ist. Hier haben selbst die Gully-Deckel Norweger-Muster.

Im ursprünglichen Land der samischen Nomaden machen sich die modernen Nomaden glücklicherweise immer rarer. Die unwirtliche Landschaft zieht nur noch wenige Wohnmobile an. So werden auch jene Touristen seltener, die mit der Selbstverständlichkeit des Eroberers in den kleinen Optikerladen gehen und in ihrer gutturalen Muttersprache schnarren: „Haben Sie hier eigentlich auch Brillenputztücher?“ Tromsø liegt so weit im Norden, daß den Geiz-ist-geil-Deutschen endlich die gebunkerten Aldi-Vorräte ausgehen, so daß sie ihren Kofferraum mit lokalen Produkten füllen müssen und folglich nicht mehr ganz so unbeliebt sind wie im Süden des Landes, wo sie maximal Postkarten und die zugehörigen Briefmarken bezahlen und hin und wieder mal einen Camping-Platz, um ihr schwappendes Chemieklo zu leeren.

Wer länger in Tromsø lebt, lernt schnell, mit der Natur zu leben. Sehr viel mehr hat die Stadt nicht zu bieten. Natürlich, hier ein bißchen Mozart, dort ein bißchen Ibsen, aber eigentlich gibt es Kultur nur in Form von verdauungsfördernder Kulturmelk. Die Hauptattraktion bleiben die spektakulären Berg- und Fjordpanoramen. Täglich wächst die Wanderlust. Man fängt an, sich ausschließlich für die Nuancen von feinporigen High-Tech-Geweben zu interessieren, die geschützte, aber atmungsaktive Bewegung in freier Natur erlauben. In der Innenstadt gibt es mehr Sportgeschäfte als Metzgereien, Bäckereien und Fischhandlungen zusammen. Rauhes Friluftsliv zwischen Fjord und Fjell ist des Norwegers liebstes Steckenpferd. Das färbt ab. Eine Exildeutsche berichtet sehr stolz, wie sie beim Angeln das erste Mal einem Fisch den Garaus gemacht hat: „Du steckst Daumen und Zeigefinger tief in die Kiemen und ziehst den Fischkopf ruckartig nach hinten. Das bricht ihm das Genick.“

Tromsø hat die erstaunliche Eigenschaft, sich innerhalb von nur wenigen Tagen zum Basislager für Expeditionen oder Extremtouren ins Umland oder weiter hinaus zu verwandeln. Und das schon seit vielen Jahren. Die Stadt ist das Tor zu Spitzbergen und zur Arktis. Nansens und Amundsens Expeditionen zum Nordpol starteten von hier aus. Die Werft, die Amundsens Expeditionsschiff „Gjøa“ baute, ist noch heute aktiv. Hier liegen Fischtrawler im Trockendock und lassen sich den Rumpf bepinseln. Seile, Taue und Kabel hangeln sich in zwanglosen Casual-Knoten durch den Feierabend. Am Kai schnäbelt der Austernfischer, der mit seiner klassischen Abendgarderobe in schwarz-weiß angemessen für seine luxuriöse Lieblingsmahlzeit gefiedert ist. An einem Hafengebäude steht der Graffito: „In Cod we trust.“ „Norsk“ reimt sich hier immer auf „torsk“. Im Supermarkt gibt’s Lebertran mit Zitronengeschmack, im Feinkostladen getrocknetes Rentierherz. Beides stärkt fürs Friluftsliv, das im Sommer rund um die Uhr an den Kräften zehrt. Mitternachtssonnenwanderungen sind in Tromsø vom 21. Mai bis zum 23. Juli möglich. Im Winter bleiben einem während der Dunkelzeit vom 25. November bis zum 21. Januar nur die knirschenden Freuden der Lichtloipe, die einmal quer über die Insel führt. Das ist die Zeit, in der unter den Bürgersteigen die Heizrohre angeworfen werden und das Öl und Gas aus den Quellen vor der Küste, den Tromsøflaket, direkt unter der Fußgängerzone verheizt wird. Das Eismeer hingegen braucht nicht beheizt zu werden. Dank des fernwärmenden Golfstroms ist es das ganze Jahr über eisfrei und schiffbar und wartet mit einer Durchschnittstemperatur von 6 Grad auf den tapferen Schwimmer. Der Norweger weiß seine Natur zu jeder Jahreszeit zu nutzen. So empfiehlt der örtliche Wanderverein, auf Touren im Winter den Spaten nicht zu vergessen, damit man sich im Schnee eingraben kann, wenn ein allzu kühles Lüftchen weht.

In der Wildnis läßt der Norweger dem Wikinger in sich freien Lauf. Oder wie es in einem Werbetext der traditionellen norwegischen Strickwarenmarke Dale heißt: „Irgendwo da draußen ist immer ein Norweger im Kampf mit der Natur.“ Doch der braucht oftmals nicht mal einen Pulli. Es ist nicht ungewöhnlich, daß der erschöpfte deutsche Wanderer nach vier Stunden beschwerlichen Marsches über loses Lavageröll, abtauende Schneefelder und schmatzende Moorwiesen auf einen munteren Jogger in kurzer Hose trifft, der in der Einöde seinen täglichen Workout absolviert. Niemals ist der an sich schon freundliche Norweger hilfsbereiter und auskunftsfreudiger als auf einem einsamen Berggipfel, in einer weltabgeschiedenen Talsenke oder einer verlorenen Bergschlucht. Zwischen Berglemming und Bachforelle taut er richtig auf. Er scheint dann in eine Art euphorisierenden Landschaftsrausch zu fallen und gibt Geheimtips für einen knöchelschonenden Abstieg, das beste Anti-Mückenmittel oder leckere Rezepturen zum Trocknen von Wanderproviant. Rentierherz zum Beispiel.

Wer die etwas gemütlicheren Fortbewegungsarten bevorzugt, kann sich mit der Gondelbahn auf den Hausberg von Tromsø fahren lassen. Oben kann man ausgezeichnete Waffeln essen. Als besondere Spezialität gilt es, sich mit einem handlichen Käsehobel karamelisierten Ziegenkäse, sogenannten brunost, auf die Waffel zu hobeln. Der Käsehobel (osthyvel) wurde 1925 von Thor Bjørklund aus Lillehammer erfunden und ist neben der Büroklammer Norwegens bekanntestes Patent. Während man vor dem Panoramafenster den Käse hobelt, kann man eine Landschaft bewundern, die vornehmlich dadurch entstanden ist, daß wandernde Gletscher mit eingeschlossenem Geröll die Landschaft abgehobelt haben. Der Hobel ist die Essenz dieses Landes, das von oben aussieht, als hätte man die Schweiz bis knapp unterhalb der Baumgrenze geflutet. Spätestens bei der zweiten Waffel mit Ziegenkäse, Marmelade und Schmant wird klar: Die Eiszeit hat sich gelohnt.

Wanderkarten und Tourenvorschläge für Tromsø:

Troms Turlag
Grønnegata 32
Postboks 284
9253 Tromsø
tromstur@online.no
www.go.to/tromsturlag

Literatur:

Judith Hermann: “Die Liebe zu Ari Oskarsson” in: „Nichts als Gespenster“ (Frankfurt, 2003)

Peter Stamm: „Ungefähre Landschaft“ (Zürich, 2001)

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Kommentare

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Tut nichts zur Sache am :

Gut geschrieben, schlecht im Inhalt. Wenn ich Ihre ganzen pseudo-kritischen mit Ironie verpackten Sätze hier lese, kann mir nur schlecht werden. Das Positive daran: Wenn weiterhin Leute wie Sie besondere Orte schlecht machen, kommen auch weniger Nörgler dort hin :-) Also, danke für diesen Artikel!

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