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Eine Star-Wars-Erzählung (SZ)

Ein ganz normaler Montagmorgen. Micha hatte sich sein prebiotisches Müsli mit Pink-Lady-Apfelschiffchen und bulgarischem Acidus-Bifidus-Joghurt an seinen Arbeitsplatz geholt. Gab es Bulgarien eigentlich noch? Schon lange nichts mehr von gehört. Praktisch alle holten sich das Müsli vom Frühstücks-Büffet. Sogar die jungen Wölfe. Nur das Management von Ring Ding Inc. fiel jeden Morgen im Rudel über die Aufschnitt-Platte her. Am schlimmsten gebar sich Wolle, Managing Director Creative Innovation and Strategical Positioning (CRISP). Wenn er nicht seinen Kringel fränkische Leberwurst bekam, war er bösartig den ganzen Tag.

Micha hatte gerade die Hälfte von seinem Müsli auf, als über die Hauslautsprecher der Partykillerbiene-Klingelton erklang, der alle Mitarbeiter zur Montagskonferenz rief. Kaum hatten sich die Programmierer und Komponisten im Brain-Cube im Südtrakt der Containerfestung eingefunden, flog die Tür krachend gegen die Polyäthylen-Wand, und Wolle trat ein. Er kam immer als Letzter. Bevor der CRISP-Manager zum Sprechen ansetzte, schlang er noch schnell den letzten Bissen Salamibrötchen herunter. Schon mal schlecht. Sehr, sehr schlecht. Das Rudel hatte ihm keine Leberwurst mehr übrig gelassen.

„Okay, Leute! Wach siehst du ja nicht aus, Micha! Dabei ist doch so geil jetzt, mit dem Frühling und allem! Also gut, scheißegal! Die Ergebnisse der letzten Woche sind mehr so lala. Die Jungs von Phone Terror hatten mit ihrem Schnappi-Krokodil genau 150.000 Downloads mehr als unser Sweetie strikes back. Sweetie ist tot, und ich sage Scheiße. Der Druck der Gegenöffentlichkeit ist zu groß. Wir haben zwar dem Initiator der Kampagne Tötet Sweetie zwei Gigabyte virenverseuchten Handy-Spam geschickt. Aber zu spät. Aus dem Biest können wir höchstens noch eine Totenmesse quetschen. Flo, mach du das! Requiem for Sweetie. Gib Gas, damit wir es spätestens Mittwoch ins Netz stellen können. Nach Sweety brauchen wir wieder das ganz große Ring-Ding! Eine Vision! Und ich weiß auch schon, was! Die Woche wird hart, aber aufregend!“

Wolle holte Atem. Ein metallisches Röcheln ging durch den Konferenzkubus. Es klang nach der Eisernen Lunge des Dibbuks aller Nikotinsüchtigen. Kam das aus Wolles Lunge? Oder aus den Hauslautsprechern? War vielleicht die Empfangs-Ulla über ihrem Mikro zusammengesackt und atmete nun in schwerem Sekretärinnenschlaf über die Firmenverstärker? Es war gespenstisch. Draußen im Gewerbepark Süd verstummten die Singvögel.

„In zwei Wochen ist die Premiere vom neuen Star Wars“, fuhr der CRISP-Manager fort. „Dazu launchen wir eine Ring Ding Star Wars Special Edition. Großangriff. Mindestens zwanzig verschiedene Ringtones! Direkt auf die Fresse! Neueste Polyphonie-Technologie. Wuki-Terror auf voller Bandbreite! Dazu flippende Farblogos, MMS-Grußkarten, Leia-Pin-Up, Ewok-Anime, die ganze Palette. Mit Star Wars können wir endlich die Thirty-Somethings abholen, die ihren Pocket-Dildo am liebsten auf Vibro-Alarm stellen. So Leute wie du, Micha. Wenn wir die zum Download bekommen, haben wir die Jungs von Phone Terror endgültig im Sack. Also auf in den intergalaktischen Feldzug! Wir haben nur ein paar Tage Zeit. Alle andere Arbeit ruht. Und weil das Zielpublikum genau Michas Kragenweite ist, übernimmt er das Oberkommando.“

Bösartig stieß Wolle auf. Seltsam. Er mußte immer nur von Salamibrötchen aufstoßen.

„Ich fliege gleich nach London und mache das Merchandising-Joint Venture klar“, ging es in einem Wolle fort. „In der Rudolf-Steiner-Videothek warten schon alle Star Wars-DVDs auf uns. Die haben uns sogar eine Kopie von Episode III besorgt. Exklusiv. Wir sind die Ersten im Land, die den Film überhaupt zu sehen bekommen. Die Jungs von Phone-Terror sind noch so im Schnappi-Fieber, die haben von dem neuen Lucas noch gar nichts mitbekommen. Micha, die DVDs holst du gleich als erstes ab. Nach dem Mittagessen gehen wir da im Schnelldurchlauf drüber, damit wir noch die Themes auswählen können, bevor ich fliege.“
„Nach dem Mittagessen? Ich bin mit dem Fahrrad da. Wie soll ich das schaffen?“ stöhnte Micha schwach.
„Scheiße, wirf endlich deine Frikandl-Rikscha weg und kauf dir ein Auto! Dann mußt du eben mit Holly fahren, wenn er gleich kommt.“

Micha wußte, daß es keinen Sinn hatte zu widersprechen. Er bekam gerade seine letzte Chance. Er hatte die drei letzten Sweetie-Hits vermasselt. Die jungen Komponier-Droiden von Ring Ding Inc. haßten ihn dafür. Er hatte ihr Sweetie auf dem Gewissen. Er war einfach zu alt für diesen Kinderkram. Also warf Wolle ihm die großen Symphonien der Sternenkrieger vor. Für den CRISP-Manager war das Hippie-Bullshit, mehr nicht. Aber Wolle wußte, was ihm das intergalaktische Epos bedeutete. Schließlich war er unter den Ring Ding-Komponisten der Einzige aus der Generation der Sternenkinder. Und Leberwurst-Wolle wußte natürlich auch, was die Sternensaga Holly bedeutete, dem aufrechten Freelance-Hausmeister aus den Schlafsilos der Nebelsümpfe. Es mußte dem mephistophelischen CRISP-Manager eine perfide Freude bereiten, diesen verräterischen Kurierdienst an zwei Männer aus der Bruderschaft der Statthaften zu delegieren. Micha spürte, daß Wolle ihn brechen wollte. Das waren die grausamen Spielchen der Handelsföderation.

Er hatte nicht mal Zeit, sein Müsli zuende zu essen. Kaum war die Konferenz beendet, kam Holly mit seinem alten Mini-Cooper Kastenwagen in den Hof gejagt. Der Falke! Micha hörte, wie die ausgeleierten Stoßdämpfer durchschlugen und die heruntergefahrenen Reifen in die rostigen Radkästen krachten. Daß Holly mit diesem Schrotthaufen überhaupt durch die Kontrollposten am Stadtring kam! Aber der Concierge verstand sein Geschäft. Vielleicht kannte er geheime Pfade, die ihn unerkannt in den Gewerbepark führten. Als Micha dem fröhlichen Mittvierziger aus der serviceorientierten Kaste der outgesourceten Hausmeister im biomorphen Foyer von Ring Ding Inc. den rituellen Razzawaan-Gruß zukommen ließ, war der schon informiert. Holly war einfach immer informiert.

„Micha. Fertig für einen Ritt in die Stadt?“
Sie ließen sich in den Falken fallen, von dem ein Stück Rost auf den Frauenparkplatz fiel.
„Schnall dich an, ich mache jetzt den Sprung durch die Lichtmauer!“

Schon jagten sie in einem Feinstaubtornado vom Firmenparkplatz. Bald klapperten sie durch eine zersiedelte Mondlandschaft. Der ganze Planet war eine einzige große Stadt. Micha blickte nachdenklich auf all die vorüberziehenden Einkaufszentren, Teppichmärkte und Tankstationen. An den Rändern endloser Waschstraßen wuchsen bauschige Bürsten in die Höhe. Ihre übereinandergetürmten Farbschichten erinnerten ihn an die bunten Cocktails, die er früher mit seinen Jungs von FakeTrashdeLuxe nach ihren Konzerten getrunken hatte. Verboten, klar, aber unwiderstehlich. Wieder packte ihn die Nostalgie. Wie oft hatten sie hier draußen Vader’s Skull gespielt. Was für prachtvolle Klangteppiche sie aus ihren alten Moogs entrollt hatten. Vorbei die Zeit, nicht zu ändern.

Micha konzentrierte sich auf die monströsen Cosy-Wash-Bürsten, als könnten sie all die melancholischen Erinnerungen aus seinen traurig wedelnden Hirnlappen waschen. Irgendwie sahen diese struppigen Dinger aus wie gepfählte Ewoks. Langsam sich drehende Ewok-Dönerspieße. Jetzt würde er also die Ewoks verraten. Irgendwann hatte es ja so weit kommen müssen. Ring Ding Inc. würde mit seinen gräßlichen Klingeltönen die sensiblen Ewoks vernichten. Und er war der Oberkommandeur des Massakers. Er schämte sich so. Wie sollte er Holly seinen Auftrag beichten? Der Falken-Commander war immer ihr treuester Begleiter gewesen. Der einzige FakeTrashdeLuxe-Rowdy mit Padawan-Reife. Verdammt! Die Sternenmusik! Wolle zwang ihn, die geliebte Sternenmusik zu verraten. Und er mußte sich fügen. Was blieb ihm anderes übrig? Sollte er etwa wieder mit Timo, Dirk und der ganzen Bande durch die Kaschemmen der Satellitenstädte ziehen, nur um sich zwei-, dreihundert müde Trungles zu verdienen. Vero würde sich schön bedanken. Er schuldete ihr sowieso noch viertausend. Und die wollte er ihr so bald wie möglich wieder zurückzahlen. Er wollte sich nicht von ihr freihalten lassen. Auch wenn er wußte, daß es ihr nichts ausmachte.

„Scheiße!“ zischte Holly plötzlich und ging in die Bremsen. „Ich glaube, wir sitzen in der Patsche!“ Der tapfere Haumeister äugte in den Rückspiegel. „Eine imperiale Speckgürtel-Patrouille!“ Kaum hatte er seinen Satz beendet, wurden sie von zwei schweren Peripherie-Gleitern überholt, die sie an den Straßenrand winkten. Holly bremste den Falken ab und hielt hinter den Harleys, deren Ständer sich in den Asphalt gruben, der unter ihren knackenden Motorblöcken schmolz. Doch kaum waren die lederbekleideten Speckgürtel-Cops von ihren Sitzen gestiegen, ließ Holly den Falken wieder aufheulen.

„Holly! Du willst doch wohl nicht...“

Zu spät. Schon raste der reizbare Hausmeister geradewegs auf die imperialen Gleiter zu. Mit einem lauten Krachen rammten sie beide Harleys, die in hohem Bogen zwischen zwei alte Waschmaschinen in den Straßengraben flogen. Micha sah, wie die beiden Zündschlüssel der Maschinen augenblicklich vom Zentrifugal-Vakuum der Waschtrommeln angezogen wurden. Holly war so verdammt raffiniert! Die Schlüssel verschwanden auf ewig in der Malkovich-Dimension, jener verborgenen Wurmzwittergalaxie, in die man nur durch das Bullauge einer alten Waschmaschine kam, in der schon mindestens 1000 einzelne Socken verloren gegangen waren. 1000 zerstörte Sockenpaare. Die Malkovich-Prämisse.

„Diese Satansbraten sehen wir nie wieder!“ Holly lachte grimmig. „Das muß gefeiert werden. Was hältst du von einem kleinen Stop-Over in Pepe’s Voodoo-Lounge?“
„Scheiße, Holly, wir haben keine Zeit! Die DVDs!“
„Die holen wir schon noch. Was wollt Ihr überhaupt damit. Hast du diese milchgesichtigen Einfaltspinsel von Rind Ding Inc. endlich doch noch bekehren können?“
Micha rutschte tiefer in die mottenzerfressenen Sitze. Aber es half ja doch nichts. Irgendwann mußte es raus.
„Ring Ding Inc. bereitet eine große Star Wars Special Ringtone Edition vor.“
„Ihr verwurstet das Sternenepos?“

Ein empörtes Schütteln durchzuckte den Falken, als Holly vor Wut in die Bremsen stieg. Der rechte Außenspiegel löste sich scheppernd aus der Karosserie und sprang über die Straße, deren myriadenfältiges Spiegelbild in einem Sternensplitterschwarm in den Straßengraben prasselte. Holly beschleunigte wieder, denn noch konnten die Speckgürtel-Cops sie zu Fuß einholen, und dann wären sie geliefert.

„Scheiße, Micha! Unsere Sternenmusik! Das könnt Ihr nicht machen!“
„Kann nichts dran ändern, Holly.“
„Und ich reiß mir hier den Arsch auf und riskier auch noch meinen Zwo-Sieben-Achter! Nur damit Ihr Euch am Lucas-Evangelium vergeht!“
„Sorry, Holly. Befehl von oben.“
„Jetzt brauche ich wirklich einen Drink.“

Der sonst so umgängliche Mini-Fahrer war wie ausgewechselt. Micha spürte, wie der Blick ihres alten Padawan-Rowdys wie ein eisiger Botschafter aus dem Quecksilberreich hinter dem Rückspiegel auftauchte, um voller Verachtung auf ihm zu ruhen. Früher hatte Holly sie alle so bewundert! Wortlos raste der tief getroffene Dienstleister über eine staubige FX-14-Arterie. Am Rückspiegel baumelte wild sein dicker Schlüsselbund. Diese FX-14 war so verdammt holprig, daß die Schlüssel immer wieder gegen die Windschutzscheibe schlugen. Micha rechnete jeden Moment damit, daß das Verbundglas zersplitterte. Bald, sehr bald würde ihm ein kalter Wind ins Gesicht fahren.

Vor einem flachen Wellblech-Verhau zwischen einem Kohlehändler und einem Bauwagen-Verleih machte Holly eine Vollbremsung. Staubwolke, die Zweite, Türenschlagen. Die Stimmung im Voodoo war ausgelassen. Alles voller angeheiterter Kvikkjokks von den Oberen Trojugga-Seen. Aber selbst die zügellosen Seehundfelljackenträger konnten Holly nicht mehr aufmuntern. So war Micha dankbar, als ihn Pepe beiseite nahm und ihm zuflüsterte: „Im War-Room wartet jemand auf dich.“

Es war immer wieder eine Ehre, in Pepes War-Room vorgelassen zu werden. Geschmeichelt glitt Micha vom Hocker und trat durch einen schillernden Vorhang aus gegerbter Basiliskenregenbogenhaut. Im Schein einer delirierenden Lava-Lampe saß ein kleiner Mann mit spitzen Fledermausohren. Micha traute seinen Augen nicht: In diesem alten Flohmarktsessel saß Kalle! Veros Vater! Oder Stiefvater. Vero wußte es selbst nicht so genau. Aber sie liebte den Alten von ganzem Herzen. Gott, wie lange hatten sie sich nicht mehr gesehen! Der alte Vagabund war untergetaucht, nachdem die Kontrolleure der Finanzinspektion Unregelmäßigkeiten in den Büchern seiner Autowerkstatt in der Freihandelszone unten am Osthafen entdeckt hatten.

„Micha. Müde siehst du aus.“
„Kalle, Mensch! Alles ist ein solches Durcheinander.“
„Was treibst du?“
„Ach, ich schlage mich so durch.“
„Du hast Vero noch immer nicht geheiratet, stimmt’s?“
„Ich bin noch nicht so weit.“
„Sie könnte dir Kraft geben.“
„Die könnte ich gebrauchen.“
„Wir alle brauchen die Kraft. Die Unehrenhaften haben ihre Strategie gewechselt. Sie tragen nicht mehr ihre martialischen Uniformen. Sie sind jetzt schwerer zu erkennen. Sie sind mitten unter uns. Sie beherrschen ein amorphes Imperium, das langsam immer mehr mit dem Reich der Statthaften verschwimmt. Ihr Krakeelen hat sich in lockende Sirenentöne verwandelt. Bald werden ihre schmutzigen Melodien nicht mehr von der reinen Musik zu unterscheiden sein. Laß dich von Vero leiten. Sie hat das absolute Gehör. Nicht mal Meister Udo hat so hohe Midichlorianwerte. Vero ist eine Vergenz der Macht.“

Kalle bekam einen Schluckauf und trank umständlich von seinem Zombie. Da wußte Micha, daß alles gesagt war. Noch zwei, drei Schlucke, und der alte Mann würde sein Doppelkinn auf seinen Brustkorb legen. Und würde man den Halunken auch nur eine Sekunde aus den Augen lassen, wäre er verschwunden. Niemand hatte eine Chance gegen ihn. Nicht einmal die imperiale Finanzdirektion. Micha verneigte sich und überließ Kalle seinen Meditationen.

Holly hatte die Bar verlassen. Nachdenklich starrte Micha in seinen Fudschi. Wenn er den Melodien der Statthaften ihren Zauber nahm, verlöre auch sein Leben seinen Zauber. Der Atem der Unehrenhaften war nur elektronisches Dibbuk-Röcheln. Ihr vernichtender Pestodem durfte nicht die Anmut der Sternengesänge mit Verkommenheit infizieren. Wenn diese Special Edition über die Bühne ging, würde Ring Ding Inc. Terror Phone schlucken. Diese neue Handelsföderation hätte genug Feuerkraft, um die ganze Galaxie mit ihren Ringtones zu beschallen.

Nächstes Jahr würde er vierzig. Irgendwann in den letzten Jahren mußte er etwas übersehen haben. Der Todesstern lag nicht mehr klar und deutlich vor ihm. Er konnte ihn nicht mehr einfach auf seinen Radar holen wie früher. Er hatte immer gedacht, es läge an seinem Radar. Aber plötzlich wurde ihm bewußt, daß es an seiner eigenen Position in der Galaxie lag: Der Todesstern hatte ihn umschlossen! Er war einfach so hineingeglitten.

Sie waren beide hineingeglitten. Vero und er. Und nun mußte er sie beide wieder herausholen. Bevor es zu spät war. Vero war bald achtunddreißig. Könnte knapp werden. Aber sie würden es schaffen. Kalle hatte Recht: Vero würde ihm Kraft geben. Noch heute Abend würde er sich ihr nähern, ohne zuvor sein Begehr in das geronnene Blut des Kautschukbaumes zu hüllen. In den nächsten Monaten würde er den Kautschukbaum nicht mehr bluten lassen. So würde er sich aus Veros verborgenen Energiequellen speisen können. Sie würden einen symbiotischen Kreis bilden. Wie damals, als sie sich kennengelernt hatten auf einem der FakeTrashdeLuxe-Konzerte draußen in den Methusalem-Komplexen der Satellitenstädte, wo ausgeflippte Rentnerpunks Nacht für Nacht mit ihren Peil-Laptops gierig nach WLAN-Card-Babyphones suchten. Sie würden wieder zueinanderfinden. Wenn alles gut liefe, würden sie dem Imperium des Todessterns zu dritt entkommen und endlich die Galaxie des Lebens betreten. Das Leben. Ein Kind. Lukas. Oder Leia. Eine neue Generation von Sternenkinder.

Durch das dichte Seehundfell eines der umstehenden Kvikkjokks drang der Sweety-Klingelton. Micha zuckte zusammen und kramte sein Handy hervor. Er begann mit der Nummer des CRISP-Managers. Nach und nach löschte er das ganze riesige Ring Ding Inc.-Imperium aus seinem unterwanderten Adreßbuch. Dann zahlte er den Fudschi, trat auf den bröckeligen Perron hinaus und suchte den Hof nach Holly ab. Sie mußten sofort los, alle Star Wars-DVDs der Stadt ausleihen und draußen in den Malkovich-Waschmaschinen versenken. Die amerikanische Exklusivversion von Episode III als erstes. Man würde schon sehen, wer hier eine Special-Edition herausbrächte! Ring Ding Inc. war Bantha-Futter!

Micha blickte ins flirrende Frühlingsblau. Niemals wieder würde er diesen Äther beschmutzen. Niemand hatte das Recht, die Sphärenmusik zu kopieren. Niemand durfte sich an den Sternenliedern vergehen. Der Horizont streckte ihm ein Paar dicke Wolkenwurstarme entgegen, die vom Laserschwert der Sonne durchschnitten wurden. Er schritt den Perron herab, und es war ihm, als ginge er geradewegs in den Himmel. Auf dem Wellblechdach der Voodoo-Lounge sang ein Vogel. Und dieser Vogel klang wie ein echter Vogel.

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